Es ist was faul im Staate Großbritannien. Das musste der Buchautor Mark Forsyth feststellen, als er in der British Library saß und dort im Internet recherchierte. Forsyth wollte ein bestimmtes Zitat aus Shakespeares Hamlet überprüfen und gab "Hamlet MIT" bei Google ein. Das angesehene Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA hat Shakespeares gesammelte Werke digitalisiert und frei abrufbar gemacht. Doch die Filtersoftware der British Library machte selbst vor dem englischen Nationalhelden nicht Halt.

Wie Forsyth in seinem Blog Inkyfool berichtet, poppte auf dem Computer die Meldung auf, die gewünschte Seite sei "wegen gewalttätigen Inhalts" blockiert.

Zugegeben, Hamlet ist kein Kasperletheater: Ein König wird vom eigenen Bruder ermordet. Der Königssohn täuscht Wahnsinn vor und begibt sich auf einen Rachefeldzug für den toten Vater. Auf seinem Weg der Vergeltung geht er über Leichen. Nach getaner Arbeit (Mörder des Vaters tot, einige andere Menschen auch) stirbt er schließlich selbst. Aber Hamlet ist eben auch ein Stück Weltliteratur.

Und so glaubte Forsyth zunächst an einen technischen Fehler. Er wiederholte seine Suchanfrage. Vergeblich. "Ich hab es nochmal probiert. Das System sagte mir, dass meine Versuche, diesen gewalttätigen Inhalt aufzurufen, protokolliert würden."

Die Bibliothek entschuldigte sich jetzt

Mit seinem Laptop in der Hand habe er sich an den Informationsschalter begeben und nachgehakt: "Ich habe gefragt, ob sie das Problem ­– oder auch nur den Symbolcharakter – der Tatsache erkennen, dass ausgerechnet Hamlet in der British Library gesperrt ist." Facebook, YouTube oder Singlebörsen seien dagegen erreichbar gewesen. Ein Schulterzucken sei die Antwort gewesen. Die IT-Abteilung teilte ihm mit, dass der Inhalt nur über das WLAN der Bücherei blockiert sei. Daran ändern könne man aber nichts.

Mittlerweile hat die Bibliothek reagiert. Auf den Tweet von Forsyth, dass Hamlet in der British Library gesperrt sei, antwortet die Bibliothek: "Jetzt nicht mehr. Wir haben die Filtersoftware angepasst." Zahlreiche Twitter-Nutzer reagierten trotzdem mit Unverständnis und fragten, warum eine Bildungseinrichtung wie die British Library solche Inhalte zensiere.  

Auf ihrer Website veröffentlichte die Einrichtung am Dienstag eine Entschuldigung. Im Rahmen eines Upgrades sei ein neues Webfiltering-Tool installiert worden, das noch angepasst werden müsse. Hieran arbeite man bereits. Auf grundsätzliche Kritik an der Filterpraxis ging die Bibliothek nicht ein.