US-UnternehmenNSA-Enthüllungen sind schlecht fürs Geschäft

Die Spähaffäre schadet dem Image großer Firmen wie Google und Microsoft. Sie fürchten um Kunden. Und tatsächlich hat bei manchem ein Umdenken begonnen. von 

Google-Zentrale in Kalifornien

Google-Zentrale in Kalifornien (Archivbild)  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Das Unternehmen esyoil hat seine Konsequenzen aus dem weltweiten NSA-Skandal gezogen: Man werde alle Aktivitäten auf Facebook und Google+ beenden, teilte die Firma aus Lüneburg am Dienstag mit. Esyoil beherzige die Empfehlung des Lavabit-Gründers Ladar Levison. Dieser hatte geraten, aus Datenschutzgründen keine Dienste mit Verbindung in die USA zu benutzen, nachdem er seine Firma auf Druck der US-Behörden schließen musste. Der Whistleblower Edward Snowden hatte die Dienste des E-Mail-Providers genutzt.

Esyoil, eine deutsche Vergleichsbörse für Heizölpreise, nimmt den Aufruf aus den USA ernst. Das Unternehmen arbeite jetzt "an einer eigenen, neuen Lösung, um seinen Kunden den ungefährdeten Diskurs mit dem Unternehmen zu ermöglichen", heißt es in der Mitteilung.

Anzeige

Nur ein Kunde hat sich bislang nach Aussagen der Geschäftsführer über diese Entscheidung beschwert. Die angesprochenen Internetriesen Facebook und Google werden den Weggang des Nutzers esyoil ebenfalls verschmerzen können. Aber die Reaktion des Unternehmens wirft in der Spähaffäre eine Frage auf, welche die US-amerikanischen Technologieriesen durchaus beschäftigt: Sind die Enthüllungen schlecht fürs Geschäft?

Man muss kein Zyniker sein, um am ernsthaften Engagement für Datenschutz von Silicon-Valley-Giganten wie Google, Apple, Microsoft oder Yahoo zu zweifeln. Für mehr Bürgerrechte und Transparenz werden sich diese Firmen auch in Zukunft nicht aus reiner Nächstenliebe einsetzen. Aber es sind Firmen, die ihre Dienste zunehmend mobiler machen und Daten in die Cloud auslagern. Meldungen, dass sie auf Anfrage Informationen ihrer Kunden an den US-Geheimdienst weitergeben, passen nicht in diese Strategie. Sie verunsichern die Kunden. Die Spähaffäre wächst sich zu einem Imagedesaster aus.

Laut der Analyse eines Thinktanks aus den USA müssen dortige Technologiefirmen fürchten, dass die Enthüllungen ihre Umsatzzahlen drücken. Die gemeinnützige Information Technology & Innovation Foundation mit Sitz in Washington D.C. rechnet vor, dass amerikanische Cloudanbieter innerhalb der nächsten drei Jahre zwischen 22 und 35 Milliarden US-Dollar verlieren werden. Grund seien die Berichte über Überwachungsprogramme der NSA. Die Zahlen ergeben sich aus Szenarien, wonach amerikanische Cloudanbieter auf dem internationalen Markt Anteile von zehn beziehungsweise 20 Prozent an ausländische Wettbewerber verlieren.  

Die Technologieunternehmen stützen bisher die US-Wirtschaft

Doch wohin gehen die Kunden, wenn nicht zu US-Anbietern? Profitieren IT-Unternehmen in Deutschland und Europa, wo strengere Datenschutzrichtlinien gelten als in den USA? Wohl kaum, sagt ein Sprecher des Hightech-Verbands Bitcom. Er hält Analysen wie die des Thinktanks für verfrüht: "Fragen über wirtschaftliche Folgen kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht beantworten." Außerdem müssten Kunden überlegen, ob es überhaupt sinnvoll sei, statt eines amerikanischen Cloudanbieters einen deutschen zu wählen. Das Internet mit weltweiten Datenströmen kenne keine Ländergrenzen.

Leserkommentare
    • Sandale
    • 20. August 2013 18:58 Uhr

    Also man wird ja wohl von den US Diensten ausgespäht - nun, warum soll man denen die Daen noch rübertragen in die USA?

    Die sollen doch wenigstens einen gewissen Grundaufwand haben um da ran zu kommen.

    Jeder der jetzt eine Cloud Lösung mit Rechenzentrum in den USA, betrieben durch US Firmen anbietet, tja, der hat gerade gelitten. Zu recht.

    12 Leserempfehlungen
  1. Schuld ist nicht Snowden, sondern die NSA-Partner wie Google und Microsoft.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das Vertrauen ist verloren
    Schuld ist nicht Snowden, sondern die NSA-Partner wie Google und Microsoft."

    Das stimmt nicht. Wenn Konzerne wie Microsoft, Google und Apple sich den Behörden in den USA widersetzen, können sie den Laden dicht machen.

    Und selbst wenn sie auch nur über die Bespitzlungsmaßnahmen reden, stehen sie schon mit einem Bein im Gefängnis, siehe z.B. Lavabit http://www.zeit.de/digita...

    Man kann den Großen Konzernen mangelnde Zivilcourage vorwerfen, sie als "NSA-Partner" zu bezeichnen ist aber eine Diffamierung. Schuld sind die "Sicherheitsgesetze" die diese Entrechtung vorschreiben.

  2. Sorry, aber wer nicht einmal _gat._anonymizeIp() in seinen Code für Google Analytics einbaut, dem nehme ich nicht ab den Datenschutz ernst zu nehmen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • esyoil
    • 21. August 2013 11:48 Uhr

    esyoil ist dankbar für jeden Hinweis zur Verbesserung des Datenschutzes.
    Die genannte Funktion war uns bisher nicht bekannt. Gerne haben wir Ihren
    Hinweis umgesetzt.

    Freundliche Grüße aus Lüneburg

    Ihr esyoil Team

  3. "Das Vertrauen ist verloren
    Schuld ist nicht Snowden, sondern die NSA-Partner wie Google und Microsoft."

    Das stimmt nicht. Wenn Konzerne wie Microsoft, Google und Apple sich den Behörden in den USA widersetzen, können sie den Laden dicht machen.

    Und selbst wenn sie auch nur über die Bespitzlungsmaßnahmen reden, stehen sie schon mit einem Bein im Gefängnis, siehe z.B. Lavabit http://www.zeit.de/digita...

    Man kann den Großen Konzernen mangelnde Zivilcourage vorwerfen, sie als "NSA-Partner" zu bezeichnen ist aber eine Diffamierung. Schuld sind die "Sicherheitsgesetze" die diese Entrechtung vorschreiben.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nun ja, wenn man sich ansieht, was Lavabit gemacht hat, geht es auch anders.
    Der Witz ist jedoch, dass es die USA nicht stört, wenn so eine kleine Firma aufgibt.

    Wenn jedoch Unternehmen wie Google oder Microsoft sich ernsthaft zur Wehr setzen würden, hätte das einen deutlich größeren Einfluss.
    Und man kann doch nicht wirklich glauben, die USA würden ein Unternehmen wie Microsoft den Bach runter gehen lassen und damit davon kommen...

    Es ist nicht so, als ob es für die großen Unternehmen keine Alternativen gäbe, aber es ist eben am gemütlichsten und einfachsten zu kooperieren.
    Und Kooperation mit Geheimdiensten macht sie nun einmal zu Partnern der NSA, wenn auch unfreiwillig.

  4. "Die Mail-Kommunikation der Journalisten läuft jetzt über einen Account bei Gmail. Informanten, die sich mit den Reportern in Verbindung setzen möchten, müssen also künftig auf die Sicherheit von Googles Servern vertrauen. "

    Wirklich sehr schlau von der New York Times. Damit stellt sie praktisch von sich aus sicher, dass ihre Email-Korrespondenz keinesfalls mehr vertraulich ablaufen wird. Denn war es nicht Google, das kürzlich klargestellt hat, dass wer seine Email-Dienste nutzt, nicht damit rechnen darf, dass diese vertraulich sind, sondern dass diese direkt von Google ausgewertet werden und mittelbar wohl auch von der NSA?
    Das heißt ja dann, dass man investigativen Journalismus von der NYT demnächst nicht mehr erwarten kann. Mögliche Informaten werden hoffentlich einen weiten Bogen um diese Zeitung machen.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... es sei denn man verschlüsselt. Und dann ist GMail so gut wie jeder andere große Provider.

    Verschlüsselt man nicht, läuft der Inhalt der Mail im Zweifelsfall als Klartext durchs Netz.

    Vielen amerikanischen Zeitungen steht das Wasser Oberkante Unterlippe. Wenn Google da vorbeiklingelt und vorschlägt, dass sie ein Jahr lang den Werbeanteil verdoppeln, fliegen denen die Herzen sämtlicher Geschäftsführer entgegen. Kapitalismus in seiner Endform.

  5. Nun ja, wenn man sich ansieht, was Lavabit gemacht hat, geht es auch anders.
    Der Witz ist jedoch, dass es die USA nicht stört, wenn so eine kleine Firma aufgibt.

    Wenn jedoch Unternehmen wie Google oder Microsoft sich ernsthaft zur Wehr setzen würden, hätte das einen deutlich größeren Einfluss.
    Und man kann doch nicht wirklich glauben, die USA würden ein Unternehmen wie Microsoft den Bach runter gehen lassen und damit davon kommen...

    Es ist nicht so, als ob es für die großen Unternehmen keine Alternativen gäbe, aber es ist eben am gemütlichsten und einfachsten zu kooperieren.
    Und Kooperation mit Geheimdiensten macht sie nun einmal zu Partnern der NSA, wenn auch unfreiwillig.

    4 Leserempfehlungen
  6. ... es sei denn man verschlüsselt. Und dann ist GMail so gut wie jeder andere große Provider.

    Verschlüsselt man nicht, läuft der Inhalt der Mail im Zweifelsfall als Klartext durchs Netz.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "NYT und Google"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es besteht aber schon ein gewisser Unterschied, ob man etwa einen eigenen Mail-Server betreibt, was einem großen Zeitungshaus wie der NYT sicherlich nicht unmöglich sein sollte, oder ob man seine Kommunikation direkt an einen Konzern auslagert, der dafür bekannt ist, es 1) mit Vertraulichkeit nicht allzu genau zu nehmen und von dem man 2) weiß, dass er Geheimdiensten direkten Zugang zur Kommunkiation seiner "Kunden" ermöglicht.

    Das was Sie zur Verschlüsselung schreiben ist natürlich richtig.

    • Oyamat
    • 21. August 2013 0:03 Uhr

    Zitat: "Und dann ist GMail so gut wie jeder andere große Provider."
    Nein, denn GMail "liest" die Mail nach dem Entschlüsseln dann noch schnell, um sie schubladisieren zu können. Nennt man dann ein Feature, nicht etwa Bug. Aber GMail hat ausdrücklich geschrieben, daß sie davon ausgehen, daß jeder, dessen Mails sie in die Klauen bekommen, damit voll und ganz einverstanden ist.

    MGv Oyamat

    • Uwee
    • 20. August 2013 20:44 Uhr

    Ein Versäumnis das die Welt verschlafen hat,und regt sich jetzt, über die zentrale Kontrolle, auf. Sie hat die bündlige zentrale (faschistische) Struktur des Internets geduldet und unterstützt. Die Softwarehersteller wie Microsoft und Google haben davon profitiert.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Die Softwarehersteller wie Microsoft und Google haben davon profitiert ", wobei die Betonnung auf HABEN liegt.

    Hoffentlich gibt es ein Umdenken in der Welt, vorallem in der virtuellen. Wer da eine kompetente Alternativlösung anbietet, der wird wirtschaftlich sehr großen Erfolg haben. Monopole sind nie gut.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Neelie Kroes | Yahoo | Facebook | US-Geheimdienst | USA | Europa
Service