Es gibt Roboter, die saugen Staub. Es gibt Roboter, die können kämpfen wie Gladiatoren. Es gibt Roboter, die spielen Fußball. Und es gibt Roboter, die singen und tanzen und bringen es damit zu einem Auftritt bei Dieter Bohlens Show Das Supertalent.

Sim Gishel ist so ein Roboter. Er singt jedes beliebige Stück – auf Wunsch auch mehrstimmig. Der knapp mannshohe, skelettartige Roboter kann einen Ton ewig halten und komplizierte Tonfolgen singen, die für einen Normalsterblichen nicht zu bewältigen wären. Eine Facebook-Seite hat er auch. Bloß Autogramme geben kann er noch nicht. 

Im Mai dieses Jahres absolvierte er in Berlin erfolgreich ein Vorsingen für die RTL-Show Das Supertalent. In der kommenden Woche wird er für die Aufzeichnung der Sendung nach Wiesbaden transportiert. Dort wird er das Stück Mad World von Tears for Fears zum Besten geben. Dieter Bohlen und seine Jury werden den Auftritt begutachten und ihm Tipps für die weitere Karriere geben.

Ein besonders schönes Exemplar seiner Gattung ist Sim Gishel nicht: Zwei Backsteine halten ihn in Position, damit sein Lautsprecher-Kopf ihn nicht aus dem Gleichgewicht bringt, wenn er gefährlich schwankend ein Lied zum Vortrag bringt. Auseinander montiert passt er in zwei Reisetaschen, und wenn er tanzt, blinken kleine LED-Lichter an seinen dürren Gliedern. "Ich finde, dass ein Roboter nicht wie ein Mensch aussehen soll", sagt Karl Heinz Jeron, der Sim Gishel gebaut und nach einem Stück der britischen Elektro-Band Autechre benannt hat. "Sim Gishel erregt vor allem Mitleid. Man denkt immer: 'Oh Gott, jetzt fällt er gleich um.'"

Der singende Roboter Sim Gishel

Roboter am Rande des Zusammenbruchs sind seit fast zwei Jahrzehnten die Spezialität des Berliner Künstlers Jeron. Sie haben für ihn schon Szenen aus Gerichtsshows nachgespielt und zittrige Bilder gemalt. Seine selbstgebauten Roboter haben Händels Wassermusik auf einem Spreekahn aufgeführt und eine Oper, deren Libretto aus Mobiltelefonaten bestand, die der Künstler in der Bahn mitgehört hatte. Einige von ihnen singen für eine Mahlzeit.

Selbst vergammeltes Obst und Gemüse brachte Jeron schon zum Singen: Für seine Arbeit Fresh Music for Rotten Vegetables schloss er überreife Früchte und altes Gemüse an Schaltkreise an, die jene winzigen elektrischen Impulse, die Lebensmittel ausstrahlen, in Klänge verwandelten.

Mit Robotern aus Science-Fiction-Filmen haben seine Erfindungen allerdings wenig gemein. Immer sehen sie ein bisschen hinfällig aus, denn gebaut sind sie aus billigen Komponenten vom Elektronikdiscounter.