Ein ganzes Land war offline: Ab Mittwochnachmittag war im Sudan das Internet plötzlich nicht mehr verfügbar. Der Service aller drei unabhängigen Internetprovider des Landes sei zusammengebrochen, inklusive einer terrestrischen Verbindung nach Ägypten, sagte Doug Madory von der Analysegesellschaft Renesys dem britischen Guardian.

Der Ausfall geschah in einer Woche voller Unruhen. Seit Tagen demonstrieren Sudanesen in der Hauptstadt Khartum gegen die Regierung. Das nährt den Verdacht, dass die Machthabenden für den Blackout verantwortlich sein könnten. Allerdings sagte Madory, aus dem gleichzeitigen Zusammenbruch aller Provider könne man noch keine Verantwortung der Regierung ableiten, aber es sei ein großer Zufall. 

Nach rund 24 Stunden ohne Netz ist die Verbindung offenbar seit Kurzem wieder verfügbar. Was zu dem Blackout geführt hat, ist nicht eindeutig belegt. 

"Wenn wir normalerweise so einen Ausfall haben, ohne dass eine Regierung beteiligt ist, zum Beispiel Kabelprobleme oder einen Elektrizitätsausfall, weichen die Internetprovider auf satellitengestützte Optionen aus", zitiert der Guardian Madory weiter. Das sei aber nicht passiert. Daten seiner Firma zeigen einen totalen Ausfall aller Internetaktivitäten.

Vermutlich versucht die Regierung, es Demonstranten zu erschweren, sich über soziale Medien zu verabreden und zu kommunizieren. Seit Montag kommt es in Khartum zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften. Im Norden der Stadt ging eine Polizeiwache in Flammen auf, die Polizei setzt Tränengas gegen die Menschen auf der Straße ein.   

Die Proteste haben sich zu den schwersten Unruhen seit der Machtübernahme von Omar al-Baschir im Jahr 1989 entwickelt. Bislang wurden nach Ärzteangaben mindestens 29 Menschen getötet.

Höhere Brennstoffpreise sind Auslöser

Auslöser für die Proteste sind Sparmaßnahmen der Regierung. Sie hatte beschlossen, Subventionen für Treib- und Brennstoffe zu streichen. Das verteuerte die Preise schlagartig. Der Regierung fehlt Geld, weil der Sudan große Teile des Gebiets mit Erdölvorkommen an den Südsudan verlor. 

Das Gebiet hatte sich 2011 abgespalten und für unabhängig erklärt. Viele Einnahmen durch Öl sind seitdem weggefallen. US-Sanktionen und teure Kämpfe mit Rebellen, zum Beispiel in der Region Darfur, belasten die Wirtschaft Sudans zusätzlich.  

Die Spannungen zwischen der Regierung und der sudanesischen Bevölkerung verschlimmern sich schon seit dem Arabischen Frühling 2011. Die Aufstände in Ägypten, Tunesien und Libyen inspirierten auch Proteste im Sudan. Der Konflikt wird nun dadurch verschärft, dass es vielen Menschen wirtschaftlich schlechter geht als noch vor ein paar Jahren.

Die Regierung in Khartum wäre nicht das erste Regime, das durch das Abstellen des Internets für Ruhe im Land sorgen will. Während des Arabischen Frühlings 2011 hatte der ägyptische Präsident Hosni Mubarak das Netz in seinem Land gekappt, um seinen Gegnern die Kommunikation unmöglich zu machen. Im autoritär regierten Iran sind strenge Netzsperren Alltag. 

21 Prozent der sudanesischen Bevölkerung hatten 2012 Zugang zum Web. Dieser Wert ist verhältnismäßig hoch im Vergleich zu anderen Ländern der Subsahara-Zone.