Werbevideo des Vereins Freifunk, der sich für freie, lokale Netze einsetzt

Das Internet ist längst ein riesiger, kommerzieller Rummelplatz, in dem sich noch dazu unliebsame Gäste wie die NSA tummeln. Regionale Initiativen weltweit setzen sich deshalb dafür ein, dezentrale Netzstrukturen zu bauen – eigene, kleine Netzwerke, die den Nutzern gehören, die sie errichten.

Solche Netze nennen sich Meshnets. Es gibt sie inzwischen in den USA, in Griechenland, in Spanien und in Deutschland. Die Idee ist die gleiche wie bei den LAN-Partys vergangener Jahre: Nutzer verbinden ihre Rechner miteinander und schaffen so ein eigenes Netz, indem sie chatten, telefonieren oder Spiele spielen können. 

Nur dass die Verbindung nicht mehr wie früher über Kabel läuft, sondern über WLAN-Router und Funkantennen und die Meshnets so ganze Regionen überspannen können.

"Im Vergleich zum herkömmlichen Internetzugang ist unser Meshnet frei", sagt Christian Heise vom Berliner Meshnet Freifunk. Der Datenverkehr kann frei durch das Netzwerk fließen, ohne dass er über zentrale Datenknoten wie dem DE-CIX in Frankfurt am Main laufen muss. Freier Transit, freie Lizenzen, freie Software, freie Rede, Freiheit vor Zensur, das seien die Ideale des Berliner Freifunknetzes, so Heise.

In einem Meshnet ist jeder Nutzer mit jedem anderen des Netzes verbunden. Jeder ist selbst ein kleiner Datenknoten. Und jeder kann theoretisch entscheiden, was über seinen Knoten fließen darf und was nicht.

Über 21.000 Nutzer in Katalonien

In Spanien wurde das erste Meshnet bereits Anfang des Jahres 2000 initiiert. Inzwischen ist Guifi mit über 21.000 Nutzern eines der größten weltweit. Sogar lokale Krankenhäuser sind darin eingebunden, und die Gemeinschaft verlegt inzwischen auch eigene Glasfaserkabel.

"Das Meshnet entstand als Protest gegen Internetprovider", sagt Lluis Dalmau, Mitglied im spanischen Meshnet Guifi. Viele Haushalte im ländlichen Raum von Katalonien hätten zur Jahrtausendwende keinen Internetanschluss gehabt. "Den Internetanbietern war es zu teuer, Leitungen im ländlichen Raum zu verlegen", sagt Dalmau. Deshalb habe man kurzerhand selbst gehandelt. Heute verfüge das Netzwerk über eigene Server und betreibe interne Radiosender.

"Bei Guifi investiert jeder Nutzer selbst in seine Infrastruktur und ist somit auch der Eigentümer, ohne von klassischen Internetprovidern abhängig zu sein", sagt Dalmau. Ist der eigene Haushalt erst einmal mit dem Netzwerk verbunden, können andere die eigene Struktur mitverwenden. So kann das Meshnet auf Grundlage des sogenannten Pico Peering Agreement ständig erweitert werden.