Microsoft ist eine Baustelle. Die Marktmacht des einstigen Giganten der IT-Industrie schwindet seit Jahren, nun wird das Unternehmen offensichtlich umgebaut: Microsoft hat die Handysparte von Nokia gekauft und sucht nach einem Nachfolger von Konzernchef Steve Ballmer. Nach langen Spekulationen hat Microsoft auch endlich bekannt gegeben, dass die neue Konsole Xbox One am 22. November in den Verkauf geht, je nach Land kurz vor oder kurz nach der Playstation 4 der Konkurrenz. Dem Konzern steht ein aufregender Herbst bevor. 

Umso erstaunlicher ist angesichts dieser Umbrüche die Gelassenheit, die etwa Oliver Kaltner ausstrahlt. Er ist General Manager der Consumer & Channels Group (CCG) bei Microsoft Deutschland. "Ich bin jetzt seit viereinhalb Jahren dabei und kenne das gar nicht anders", sagt Kaltner. Was mancher Außenstehende als Symptome einer tiefgreifenden Krise oder gar eines bevorstehenden Exitus deutet, sieht Kaltner vielmehr als Beleg dafür, dass Microsoft in einer Phase des Übergangs ist: "von der IT-Softwarefirma zu einer Devices and Services Company."

Hinter diesen Schlagworten verbirgt sich eine fundamentale Neuausrichtung. Über Jahrzehnte hinweg hat der Konzern seine Marktstellung auf den Pfeilern Windows-Betriebssystem und Office-Anwendungen aufgebaut. Doch mit dem nahenden Ende des PC, den IBM genauso spürt wie Microsoft, löst sich dieses Geschäftsmodell langsam, aber absehbar auf.

Das Microsoft der Zukunft soll sich stattdessen auf den Verkauf von eigenen Geräten und auf Angebote für hochwertige Inhalte konzentrieren. Diese Umprogrammierung folgt dem Vorbild von Konkurrenten wie Apple, Google und Amazon. Bei Microsoft rückt dabei nun allerdings ein Gerät in den Mittelpunkt, das in der bisherigen Konzernstrategie eher den Status eines Nischenproduktes hatte: die Xbox.

Mit der nächsten Generation soll die Konsole von der Daddelkiste zur Datenzentrale im Wohnzimmer werden. Musik, Spiele, Filme, aber auch eher berufliche Dateien wie Text oder Tabellen soll die Xbox One zentral verwalten und an die jeweiligen Ausgabegeräte der verschiedenen eingeloggten Nutzer ausspielen. "Auch die junge Generation will diese Inhalte bekommen, sie ist auch bereit dafür zu zahlen, sie will sie nur über alle Geräte hinweg und zu jeder Zeit nutzen können", sagt Oliver Kaltner. "Wir nehmen die Xbox als Schlüssel, um in andere Geschäftsbereiche hereinzutragen, wie Inhalte über alle Geräte hinweg als Wertschöpfungskette funktionieren. Das haben bei Microsoft alle verinnerlicht, welche Kraft dahinter steckt."

Befremden über die Xbox One

So lautet zumindest die Theorie. In der Praxis hat die Xbox One nach der Präsentation zunächst für großes Befremden gesorgt. Ursprünglich sollte die Konsole nur mit ständiger Internet-Anbindung funktionieren, und die Kamera sollte immer eingeschaltet sein – eine Vorstellung, die viele Nutzer auch schon vor dem NSA-Überwachungsskandal gruselig fanden. Oder realitätsfremd, weil etwa Matrosen auf einem US-U-Boot und andere Nutzergruppen gar nicht immer Internetzugang haben.

Den Onlinezwang hat Microsoft gestrichen. Und auch die Datenschutzbedenken wurden aufgegriffen. "Sie können heute über die Einstellungen selbst entscheiden: Ist die Kamera an oder aus, fertig", sagt Kaltner.

Dass Microsoft lange gezögert hat, bis es auf die Bedenken reagierte, will der Manager so nicht stehen lassen: "Das waren acht Wochen – von der Vorstellung des Konzeptes, auf das wir viele kritische Stimmen aus der Gamer-Community bekommen haben, bis zur Anpassung der Software. Acht Wochen finde ich überhaupt nicht lang, wenn Sie bedenken, dass wir in der Vorproduktionszeit sind." 

Im Zuge von Prism habe aber auch Microsoft eine ganz andere Perspektive bekommen. "Grundsätzlich hat Microsoft ein hundertprozentiges Bekenntnis, die Sicherheit der Nutzer zu maximieren."