US-Spionage : NSA bespitzelt Bankendienstleister Swift

Bisher galten Swift-Bankgeschäfte als sicher. Neue Snowden-Dokumente zeigen: Das war ein Trugschluss. Die NSA soll auch das Netz der Finanzinstitute ausgespäht haben.

Der US-amerikanische Geheimdienst NSA hat nach einem Bericht des brasilianischen Fernsehsenders Globo TV auch die Gesellschaft ausgespäht, über die weltweit die meisten Banktransaktionen abgewickelt werden: die in Belgien ansässige Swift. Das berichtete der Sender unter Berufung auf Dokumente des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

Neben Swift seien auch die privaten Computernetzwerke des US-Internetkonzerns Google und der staatliche brasilianische Ölkonzern Petrobras Ziele der NSA-Spione. Die drei Unternehmen werden dem Bericht zufolge in einer Anleitung für neue Agenten als Beispiel dafür genannt, wie private Computernetzwerke großer Firmen ins Visier genommen werden können.

Details über die abgegriffenen Informationen wurden in dem Bericht nicht genannt, an dem der USA-Journalist Glenn Greenwald mitgearbeitet hatte. Greenwald hat von Snowden Tausende von Dokumenten über NSA-Spähprogramme wie Prism erhalten. 

US-Geheimdienstdirektor James Clapper erklärte, es sei "kein Geheimnis, dass die Geheimdienst-Gemeinschaft Informationen über alle wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten und die Finanzierung von Terrorismus sammelt".  

Die Washington Post zitiert aus einem Statement Clappers die Worte:  Die NSA sammele diese Informationen, "um die Vereinigten Staaten und alle unsere Verbündeten früh vor finanziellen Krisen warnen zu können, die sich negativ auf die weltweite Wirtschaft auswirken könnten". Sie ermöglichten außerdem Einblick in die Wirtschaftspolitik anderer Länder, die Einfluss auf die Märkte haben könnte.

Klapper sagte, es würden keine Informationen an US-Unternehmen weitergegeben, um denen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Mehr als 10.000 Banken nutzen Swift

Transaktionen über Swift galten bisher als sicher. Swift (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) ist ein Verband von Finanzinstituten mit der Aufgabe, den Nachrichtenaustausch mittels eines Telekommunikationsnetzes für seine Mitglieder zu ermöglichen. Nach Angaben der Gesellschaft nutzen mehr als 10.000 Banken und andere Unternehmen Swift zur Abwicklung des Finanzverkehrs.

Auch ohne die NSA werten amerikanische Behörden europäische Bankdaten via Swift aus und das ganz legal. Zwischen den USA und der EU gibt es entsprechendes Abkommen. Demnach dürfen die USA in den Daten europäischer Bankkunden nach Terroristen suchen.

Petrobas ist das größte brasilianische Unternehmen und eine der größten Ölfirmen weltweit mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 120 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen gilt in der Offshore-Ölförderung als technologisch führend.

Laut Globo TV taucht der Name des brasilianischen Unternehmens direkt unter der Überschrift "Viele Ziele nutzen interne Netzwerke" auf. Die Dokument erhärten den Angaben zufolge den Verdacht, dass es sich nicht um eine Präsentation mit fiktiven Zielen handelt, sondern dass die Unternehmen tatsächlich überwacht wurden oder werden. Die Präsentation enthält zudem Dokumente, die vom britischen Geheimdienst GCHQ beigesteuert wurden.

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