Wikipedia-Gründer Jimmy Wales © Mandel Ngan/AFP/GettyImages

Die Onlineenzyklopädie Wikipedia hat mehr als 250 Nutzerprofile verbannt. Damit will die Wikimedia-Stiftung, die hinter Wikipedia steht, gegen bezahlte Manipulationen von Artikeln vorgehen, schreibt die Leiterin der Stiftung, Sue Gardner, im Wikimedia-Blog. "Derzeit sieht es so aus, als wären einige Autoren – möglicherweise bis zu mehrere Hundert – für Wikipedia-Artikel bezahlt worden, die für Organisationen oder Produkte werben", schrieb Gardner.

Gardner verwies auf einen Artikel der Website Daily Dot, die von einem riesigen Netzwerk falscher Profile berichtete. Sie sollen teilweise gegen Bezahlung Artikel über Unternehmen und Personen geschönt haben. "Im Gegensatz zu einer Universitätsprofessorin, die einen Wikipedia-Artikel über ihr Fachgebiet bearbeitet, ist bezahltes Schreiben für Werbezwecke extrem problematisch", schrieb Gardner. Es widerspreche den grundlegenden Werten der Wikipedia als neutraler Quelle.

Bei Wikipedia kann grundsätzlich jeder mitschreiben. Allerdings gibt es Regeln: Personen oder Gruppen müssen wichtig genug für einen Eintrag sein, Behauptungen müssen mit Verweisen auf unabhängige Quellen belegt werden. Die Mitautoren diskutieren häufig über Änderungen an Artikeln.

Immer wieder gibt es Berichte, dass einzelne Nutzer oder Unternehmen versucht hätten, Einträge zu manipulieren. Bekannt wurden in der Vergangenheit vor allem Beiträge, die bewusst gefälscht wurden, als Scherz oder als Beleg dafür, wie leicht es ist. Zuletzt wurde ein Text entdeckt, der mit großem Aufwand angelegt worden war und einen Krieg beschrieb, den es nie gegeben hatte.  

Neutral und ausgewogen

Grundsätzlich aber beweist die Wikipedia jeden Tag, dass ihr Prinzip funktioniert: Da viele Augen auf die Texte schauen und viele Menschen an ihnen mitschreiben, sind sie neutral und ausgewogen, so wie es die Regeln der Enzyklopädie klar fordern. Auch Fehler werden schnell korrigiert. 

In der Wikipedia werden Probleme außerdem umfangreich und so transparent wie möglich thematisiert. So gibt es eine Seite, die sämtliche Kritikpunkte an der Wikipedia auflistet.

Die deutschsprachige Wikipedia-Version sei von den Profil-Sperren nicht betroffen, sagte eine Sprecherin der deutschen Wikimedia-Stiftung. Auch dort gebe es aber Diskussionen um den Umgang mit bezahlten Einträgen oder Autoren. Ein Mitschreiber arbeite gemeinsam mit anderen Autoren an Regeln für Mitarbeiter von Unternehmen. Dabei geht es auch darum, interessengeleitete Einträge möglichst klar zu kennzeichnen.

Es gibt bereits ein Verzeichnis von Profilen, die Unternehmen, Werbeagenturen oder Vereinen gehören. "Natürlich kann jeder mitmachen", sagte die Sprecherin, "aber nach den Regeln der Wikipedia."