Ein Gericht in New York hat Jeremy Hammond zu zehn Jahren Gefängnis wegen Hacken verurteilt. Die Anklage bezeichnete Hacking als "schwere Straftat mit schädigenden Folgen für die Opfer". Der Anonymous-Aktivist hatte sich im Mai schuldig bekannt, 2011 in die Computer der Beratungsfirma Stratfor eingedrungen zu sein. Auch soll er in die Systeme von zahlreichen Regierungsstellen wie die der Bundespolizei FBI eingedrungen sein.

Bei Stratfor eignete sich Hammond 60.000 Kreditkartennummern und Unterlagen von 860.000 Kunden an, die er online stellte. E-Mails des Unternehmens übergab er an WikiLeaks.

Nach Angaben von WikiLeaks stammen die fünf Millionen E-Mails aus der Zeit zwischen Juli 2004 und Dezember 2011. Sie entlarvten, dass Stratfor große Unternehmen wie Dow Chemical und Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, Raytheon und Northrop Grumman, aber auch das US-Heimatschutzministerium und sogar US-Geheimdienste mit vertraulichem nachrichtendienstlichen Material versorgt habe. In rund 4.000 dieser E-Mails sollen entweder WikiLeaks selbst oder dessen Gründer Julian Assange erwähnt worden sein.

Außerdem verschafften Hammond und seine Mitstreiter sich die Daten von 60.000 Kreditkarten-Nutzern. Laut Anklage wurden mit den Karten mehr als 700.000 Dollar (519.000 Euro) bewegt.

Hammond bezeichnet sich als politischen Hacker

In einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian bezeichnete Hammond das Verhalten der Behörden als "nachtragend und boshaft". Das Urteil sei als Signal an andere Hacker zu verstehen, die ihm nacheiferten. Die US-Behörden seien von Anonymus gedemütigt worden und wollten mit dem Urteil ihr Gesicht wahren.

In einer Erklärung hatte der 28-Jährige seine Taten vor Gericht als "zivilen Ungehorsam" bezeichnet. Er sei sich im Klaren gewesen, dass er gesetzeswidrig gehandelt habe. Doch er sei der Überzeugung gewesen, dass es "seine Pflicht" gewesen sei, seine Fähigkeiten und sein Wissen gegen "Ungerechtigkeit" und für "Wahrheit" einzusetzen.

Hammond beteiligte sich unter dem Spitznamen Anarchaos an den Onlineangriffen von Gruppen wie AntiSec und LulzSec, die mit der Onlinegruppe Anonymous zusammenarbeiten. Seine Anwälte hatten ihn in dem Verfahren als politischen Aktivisten dargestellt, der sich Sorgen über die Rolle von Unternehmen bei der Sammlung von vertraulichen Informationen gemacht habe.