Angst vor der NSA? Der Innenminister hätte da eine Lösung: ein rein deutsches oder europäisches Internet, gebaut mit deutschen Leitungen, deutschen Routern. Klingt doch gut, oder? Die Telekom ist auch schon ganz begeistert.

Der Spiegel schreibt: "Die Deutsche Telekom will … ein rein deutsches Internet bauen. Datenpakete sollen in Zukunft so gelenkt werden, dass sie nur über deutsche Leitungen verschickt werden, wenn sie einen hiesigen Absender und Empfänger haben." Der vermeintliche Sicherheitsgewinn bestünde darin, dass die Daten nicht mehr über Transatlantikkabel und US-Server laufen müssten, wo sie von GCHQ und NSA routinemäßig durchleuchtet werden. Intern arbeite die Telekom bereits "mit großem Eifer" an solchen Lösungen. Mit diversen Netzbetreibern würden Gespräche laufen, "um sie für eine einheitliche Lösung zu gewinnen und Preise für das gegenseitige Nutzen der Leitungen zu vereinbaren".

Auf dem Cyber Security Summit in Bonn sagte Thomas Tschersich, Leiter der IT-Sicherheit der Telekom, gerade: "Wir haben mal nachgesehen. Uns fehlen nur noch drei Peering-Vereinbarungen zu nationalen Providern, dann hätten wir ein nationales Routing realisiert."

Schon der Satz mit den Preisen sollte skeptisch machen. Offensichtlich hat die Telekom mit der Idee "Internetz", wie der Spiegel es nennt, einen Weg ausgemacht, mehr Geld zu verdienen.

In eben diesem Internet sind das Gelächter, aber auch die Sorge schon groß, es könnte wirklich ein solches Regionalnetz gebaut werden. Unter dem Stichwort #schlandnet – abgekürzt für Deutschlandnetz – sammeln sich die Kommentare. Hier ein Storify der besten.

Der Tenor ist eindeutig: dumme Idee, aus mehreren Gründen. Geld ist einer davon. Das Internet funktioniert nur, weil Provider – also die Besitzer der Datenleitungen – die Daten anderer Anbieter durch ihre Leitungen lassen. Das Verfahren wird Peering genannt und ist meistens kostenlos. Dabei schließen die Anbieter miteinander Vereinbarungen nach dem Muster: Lässt du meine Daten durch, lass ich auch deine durch. Vor allem zwischen ähnlich großen Betreibern werden dabei gegenseitig keine Gebühren erhoben.

In Deutschland geschieht das vor allem an einem großen Peering-Knoten, dem De-Cix in Frankfurt. Den haben die deutschen Netzbetreiber Anfang der neunziger Jahre mit der Idee aufgebaut, miteinander und mit dem Internet Daten tauschen zu können, ohne sie immer in die USA schicken zu müssen. Bis dahin liefen deutsche Datenleitungen immer zum Knoten Mae-East an der amerikanischen Ostküste.

Der De-Cix ist inzwischen zu einem internationalen Knoten gewachsen und einer der größten der Welt. Nur die Telekom ist dort nicht vertreten. Sie ist so groß, dass sie ihre Peering-Abkommen direkt mit den anderen großen, internationalen Betreibern des Netzes, Tier 1 genannt, vereinbart.

Monopol für die Telekom

Das ist das Problem: Ein nationales Netz würde bedeuten, dass es nur noch die Telekom gäbe. In Deutschland ist sie der größte Anbieter von Leitungen, auch in Europa ist ihr Netz riesig. Nur der skandinavische Anbieter Telia Soneira gilt neben ihr als Tier 1. Diese Marktmacht könnte das Unternehmen nutzen, um von allen anderen für den Transport der Daten Geld zu verlangen, denn jeder, der in Europa ins Netz wollte, müsste dann mit der Telekom "peeren".

Kein Wunder also, dass die Telekom solche Ideen gerne prüft und sofort auch entsprechende Gesetze fordert. Die Begründung dabei lautet, sie würden der Idee "Rechtssicherheit" geben, wie der Spiegel zitiert. Doch geht es wohl eher darum, eine solche Einnahmequelle zu zementieren.

Übrigens, die Peeringkosten für den Datentransport würden die Betreiber dann selbstverständlich an ihre Kunden weitergeben. Ein deutsches "Internetz" wäre für deutsche Nutzer dann teurer als die bisherige Lösung.