WikiLeaks-Gründer Julian Assange hält beim 30. Chaos Communication Congress einen Vortrag. © Angelika Warmuth/dpa

Julian Assange und Jacob Appelbaum haben die Systemadministratoren der Welt dazu aufgerufen, sich in einem neuen Klassenkampf zu vereinen. Assange, Mitgründer von WikiLeaks und Appelbaum, einer der Partner von Edward Snowden bei der Aufdeckung des NSA-Überwachungsskandals, sprachen auf dem 30. Chaos Communication Congress (30C3) zu mehreren Tausend Teilnehmern.

Assange und Appelbaum sind Whistleblower, beide haben sich der Aufgabe verschrieben, geheimes Wissen öffentlich zu machen. Das gleiche forderten sie von den Anwesenden des 30C3. Die Techniker der Internetwelt hätten enorme Macht, sagte Assange in einer Videobotschaft, die aus der Botschaft Ecuadors in London übertragen wurde, wo er sich seit mehr als einem Jahr aufhält. Sie sollten sie nutzen, um dabei zu helfen, geheimes Wissen öffentlich zu machen.

Assange sprach von einer Informations-Apartheid, von einem Ungleichgewicht, bei dem die Öffentlichkeit keinen Zugang mehr erhalte zu wichtigen Informationen. Dieses Ungleichgewicht müsse beseitigt werden.

Daher forderte er dazu auf, Organisationen wie den Geheimdienst CIA zu unterwandern. "Geht in diese Organisationen und holt die Informationen heraus", sagte er. Wörtlich: "Go into the ball park and get the ball out."

Neuer Klassenkampf

Beide erinnerten an die Kämpfe der Arbeiter zur Zeit der Industriellen Revolution. Einen solchen Kampf brauche es nun wieder. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch, lautete einer der wichtigsten Slogans der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert. Daran erinnernd überschrieben Assange und Appelbaum ihren Vortrag mit den Worten: "SysAdmins of the world, unite!"

Arbeiter der High-Tech-Industrie sollten sich als politische Klasse verstehen, forderten Assange und Appelbaum. Sie sollten sich vereinigen und einen neuen Klassenkampf gegen die Mächtigen beginnen.

Wen genau sie mit "die Mächtigen" meinten, sagten sie nicht. In erster Linie werden sie den Aufruf aber auf die Geheimdienste der USA und auf die amerikanische Regierung bezogen haben – angesichts der Überwachungsprogramme der amerikanischen Dienste.

Hippokratischer Eid für Techniker

Es ist nicht der erste Aufruf dieser Art – schon gar nicht beim 30C3, bei dem es vor allem um eben diese Überwachung und den Kampf dagegen geht. Seit die Spionagepraktiken und das Ausmaß der Überwachung durch die NSA und andere Geheimdienste bekannt wurden, gibt es solche Appelle.

Zuletzt schlug der amerikanische Blogger und Journalistikprofessor Jeff Jarvis vor, Techniker sollten sich einen Hippokratischen Eid geben: "Computerforscher und Datenanalysten sind die Atomwissenschaftler unserer Zeit (...). Sie müssen sich eine Ethik schaffen, (...) wie sie selbst mit ihrer Macht umgehen, wenn Geheimdienste, Regierungen oder gar ihr eigener Arbeitgeber von ihnen verlangen, unsere Privatsphäre zu verletzen, unsere eigenen Daten gegen uns zu verwenden oder unsere Redefreiheit einzuschränken."