Der 30. Chaos Communication Congress (30C3) in Hamburg hat begonnen. Zum dreißigsten Mal treffen sich Hacker aus aller Welt in Deutschland auf Einladung des Chaos Computer Clubs. Was als Projekt von ein paar Wenigen begann, ist inzwischen eine der wichtigsten und größten Veranstaltungen zum Thema Computer- und Internetsicherheit.

Oder, wie Tim Pritlove es in seiner Begrüßungsrede sagte: "Früher waren wir ein paar Nerds und Geeks, deren Ratschläge meistens ignoriert wurden. Heute sind wir eine große Bewegung – deren Rat meistens ignoriert wird."

"Die Zahl der Club-Mitglieder ist in diesem Jahr explodiert", sagt auch CCC-Sprecherin Constanze Kurz, "wir sehen eine echte Snowden-Welle". Rund 8.000 Besucher seien zudem schon am ersten Tag des Kongresses gekommen, sagt Kurz.

Das zentrale Thema ist der Überwachungsskandal um NSA und GCHQ. Das wurde auch in der Rede von Pritlove deutlich. Mindestens zwei Dutzend Vorträge wird es dazu geben. Eine große Rede wird am Freitagabend der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald halten, der half, die diversen Spionageprogramme der Geheimdienste bekannt zu machen. Er wird per Video aus Brasilien zugeschaltet.

Es ist das erste Mal, dass ein Journalist den Auftaktvortrag bei dem Kongress hält und nicht ein Wissenschaftler oder Aktivist. Ein Zeichen dafür, wie sich die Hacker-Szene, Aktivismus und Journalismus nicht erst seit diesem Jahr annähern und wie sehr dabei die Grenzen zwischen ihnen verschwimmen.

Das wohl beste Beispiel dafür ist Jacob Applebaum. Der 30-Jährige ist Entwickler und Botschafter des Anonymisierungsnetzwerks Tor. Er kämpft seit Jahren gegen staatliche Überwachung, von der er selbst betroffen ist, und arbeitet seit August von Berlin aus als Journalist für den Spiegel, bei dem er an den Veröffentlichungen um NSA und GCHQ beteiligt ist. Appelbaum hat vor einigen Monaten eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, dank der er ein Jahr in Deutschland bleiben und als freier Journalist arbeiten darf.

Der US-Amerikaner wird im Laufe des Wochenendes gleich drei Vorträge halten. Am späten Sonntagabend etwa wird er gemeinsam mit Wikileaks-Gründer Julian Assange auftreten, der per Video aus der Botschaft von Ecuador in London sprechen wird.