Ein Macintosh Plus von Apple

Mit einem 27 Jahre alten Wagen auf die Autobahn zu fahren, ist kein Problem. Mit einem 27 Jahre alten Computer ins Internet zu gehen … ist kompliziert. Der Software-Entwickler Jeff Keacher hat sich der Herausforderung gestellt. In seinem Blog hat er seinen Versuch dokumentiert.

Keachers Macintosh Plus mit Acht-Megahertz-Prozessor, vier Megabyte Arbeitsspeicher, 50-Megabyte-Festplatte, einer Bildschirmauflösung von 512 mal 342 Pixeln und dem Betriebssystem System 7 wurde im Jahr 1986 gebaut. Also drei Jahre, bevor Tim Berners-Lee einen ersten Entwurf dessen präsentierte, was einst das World Wide Web werden sollte. Neupreis für den Rechner damals: 2.600 US-Dollar. Sein aktueller PC habe übrigens ungefähr 200.000 mal mehr Rechenpower, schreibt Keacher.

Der Mac Plus lagerte seit Mitte der neunziger Jahre im Keller seiner Mutter, war aber in gutem Zustand. Drei ziemlich zentrale Dinge fehlten dem alten Apple-Computer, um internetfähig zu sein: ein Browser, ein TCP/IP-Stack – also die Fähigkeit, die nötigen Netzwerkprotokolle zu verarbeiten – und ein Anschluss, um den Mac Plus mit dem Router zu verbinden. Vergleichbar ist das mit einem Auto ohne Fenster, Kurbelwelle und Reifen, das plötzlich fahren soll. Wie gesagt, eine Herausforderung.

Das Browserproblem war vergleichsweise leicht zu lösen "dank Typen, die längst vergessene FTP-Seiten in den staubigen Ecken des Internets betreiben", wie Keacher schreibt. In diesen Ecken fand er den Browser MacWeb 2.0 aus dem Jahr 1996. Der war alt genug, um auf dem Mac Plus zu laufen und neu genug, um HTML-Seiten anzuzeigen und HTTP-Verbindungen aufzubauen.

Auf ähnlichem Wege gelangte Keacher an MacTCP, eine TCP/IP-Implementierung, die auf dem fast drei Jahrzehnte alten Betriebssystem gerade noch lauffähig war.

Schwieriger war es, den Rechner ohne passenden Anschluss mit dem Router zu verbinden. Einen Ethernet-Anschluss hatte er nicht, WLAN war noch nicht einmal erfunden, als der Computer gebaut wurde. Um nicht auf einen seltenen und sehr teuren Spezialadapter zurückgreifen zu müssen, baute Keacher eine Umleitung über seinen Raspberry Pi. Der 35-Euro-Computer auf einer kleinen Platine sollte Keacher als Adapter dienen und auch die Einwahl ins Netz vornehmen.

Den Mini-Rechner mit einem Router zu verbinden, ist kein Problem. Und über diverse Adapter und einen Pegelwandler konnte Keacher wiederum den Raspberry Pi an den Mac Plus anschließen. Was nun noch fehlte, war die Fähigkeit der Komponenten, miteinander zu kommunizieren.

Als auch das Problem nach einigen Versuchen gelöst war, wollte Keacher lossurfen. Und musste feststellen, dass sein Browser mit all jenen Dingen, die heutige Websites ausmachen, so gar nichts anfangen konnte. Selbst die wenigen Seiten, die er aufrufen konnte, ließen sich nicht benutzen, weil MacWeb 2.0 weder Cookies noch CSS-Formatierungen versteht, geschweige denn HTTPS-Verbindungen. Die Entwickler des Browsers hatten ja auch kaum vorhersehen können, was mal aus Websites werden würde, die damals nur aus schwarzem Text auf weißem Grund und ein paar Hyperlinks bestanden.