Ein Screenshot der Startseite des Pornoportals Redtube © ZEIT Online

Es gehört wohl zu den peinlicheren Anwaltsschreiben, die ein Internetnutzer erhalten kann: Über den eigenen Netzanschluss seien urheberrechtlich geschützte Sexfilme auf der Internetseite Redtube.com aufgerufen worden, heißt es in einer Abmahnung, die Zehntausende Deutsche in den vergangenen Tagen erhalten haben. 250 Euro solle man an die Rechteinhaber zahlen und schriftlich versichern, das Vergehen nicht noch einmal zu begehen.

Nun bekommen womöglich auch Nutzer weiterer Porno-Streamingdienste im Internet bald Post vom Anwalt – obwohl die Abmahnungen bei Experten höchst umstritten sind. 

"Redtube war eher ein Testballon. Wir haben auch in anderen Portalen bereits ermittelt, deswegen rechne ich damit, in den kommenden Monaten auch Nutzer der anderen Portale anzuschreiben", sagte Rechtsanwalt Thomas Urmann von der für die Abmahnungen verantwortlichen Rechtsanwaltskanzlei U + C. Der Jurist setze auf Streaming als neues Betätigungsfeld, da sich die Abmahnung von Tauschbörsen-Nutzern nicht mehr lohne. "Filesharing-Fälle können Sie nicht mehr kostendeckend betreiben", sagte Urmann. Die Nutzer seien vorsichtiger geworden.

"Es ist in gewisser Art und Weise ein Geschäft mit der Scham", sagt Anwalt Tobias Röttger zu den Ermittlungen, die Fachleuten zufolge die bislang größte Abmahnwelle in Deutschland ist. Eine Abmahnung wegen Pornoguckens wollten die wenigsten ihrem Partner erklären. Daher seien viele Betroffene versucht, einfach zu bezahlen.

Doch der Ausgang des Falls ist weniger offensichtlich als das Ende eines Pornofilms. Denn gleich mehrere Fragen sind rechtlich strittig. Zum einen handelt es sich bei der fraglichen Pornoseite um ein Streaming-Portal zum Filmeschauen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei YouTube: Im Gegensatz zu Tauschbörsen werden die Filmdateien beim Streaming nicht heruntergeladen und weitergetauscht, sondern nur kurz zwischengespeichert, damit das Bild nicht ruckelt. Ob mit solch einer Kopie überhaupt das Urheberrecht verletzt wird, ist auch unter Juristen nicht geklärt.

Ist Streaming überhaupt illegal?

Aktuell gelten diesbezüglich unklare Regelungen: Wer Filme im Internetstream schaut, darf dafür unter bestimmten Umständen rechtlich belangt werden. Das gilt allerdings nur dann, wenn für den Nutzer erkennbar ist, dass ein Angebot nicht legal ist. Das gilt bei einer Webseite wie kino.to: Hier waren auch Filme zu sehen, während die Streifen noch im Kino liefen. Damit ist offensichtlich, dass die Filme dort urheberrechtswidrig verbreitet wurden.

Kino.to ist inzwischen geschlossen. Bei der Pornoseite Redtubesei allerdings nicht eindeutig erkennbar, dass die Sexfilme gegen das Urheberrecht verstoßen, argumentieren Anwälte. Denn unter den Videos finden sich auch Amateurfilme oder kurze Clips aus Pornostreifen, die als Werbung für DVDs oder kostenpflichtige Onlineangebote kostenlos verbreitet werden.