Die Filter, mit denen britische Internetanbieter ihre Kunden vor Pornografie schützen sollen, funktionieren noch schlechter, als ihre Kritiker vorausgesagt hatten. Die Fehler, die sich in die Listen der zu sperrenden Websites einschleichen, haben mitunter absurde Folgen. Zuletzt hat ein solcher Fehler beim Provider Sky gleich eine ganze Reihe Seiten unzugänglich gemacht, die nichts mit Pornos zu tun haben.

Mitte des vergangenen Jahres hatte Großbritanniens Premierminister David Cameron verkündet, die größten Internetprovider des Landes zur Sperrung von Pornoseiten verpflichten zu wollen. Es gibt bis heute kein entsprechendes Gesetz, die Provider haben sich freiwillig dazu bereit erklärt. Seit Anfang 2014 sind alle Filter standardmäßig aktiv, einige auch schon seit Längerem. Das bedeutet, Kunden bekommen ein gefiltertes Netz vorgesetzt und müssen ihren Zugang selbst freischalten oder den Provider kontaktieren, wenn sie gesperrte Inhalte sehen wollen.

Wie genau die Listen der blockierten Webangebote entstehen, ist unbekannt. Es scheint sich aber nicht nur um IP-basierte Listen, also eine Reihe von vorher festgelegten Adressen zu handeln. Auch Wortfilter werden offenbar eingesetzt.

Das jedenfalls würde erklären, warum Ende Dezember auch die Website der Parlamentsabgeordneten Claire Perry gesperrt wurde. Sie gehört zu den Befürwortern der Netzzensur, weshalb Begriffe wie Pornografie und Sex auf ihrer Seite vergleichsweise häufig zu lesen sind.

Der Provider O2 hatte aber auch die Wohltätigkeitsorganisation NSPCC blockiert, die sich gegen Kindesmissbrauch einsetzt, sowie die Website einer Hilfe-Hotline für Kinder.

Der Anbieter TalkTalk hatte zwischenzeitlich Aufklärungsseiten und Hilfsangebote für Vergewaltigungsopfer unzugänglich gemacht, und die British Telecom eine Anlaufstelle für Missbrauchsopfer sowie anerkannte Plattformen für Homosexuelle. Sky war im Dezember durch die Sperrung von Hilfeseiten für Pornosüchtige aufgefallen.

Die Buchstabenfolge S – E – X taucht aber nicht nur auf Porno- oder Aufklärungs- und Hilfeseiten auf, sondern auch in Dateinamen wie VarusExpirationTimer.luaobj und XerathMageChainsExtended.luaobj. Beides sind Update-Dateien für das Onlinespiel League of Legends, deren Download kürzlich ein nicht genannter Provider verhinderte.  

Neben Pornografie filtern die Anbieter auf Wunsch auch Inhalte zu Alkohol und Tabak heraus, zu Waffen, Gewalt, Suizid und Filesharing sowie zu Esoterik, Anonymisierung und "Hacking". Alle diese Kategorien können aber einzeln vom Kunden deaktiviert werden.

Liste der Kollateralschäden wird länger

Sky bietet in seinem Filterpaket namens Broadband Shield zudem einen Schutz vor Phishing, Malware und Spyware. Aber auch der funktioniert nicht gerade perfekt. Am vergangenen Wochenende hat er die Seite code.jquery.com vorübergehend blockiert – und damit reihenweise Websites ausgesperrt, die inhaltlich nichts miteinander und auch nichts mit Pornografie oder Phishing zu tun haben. Denn code.jquery.com ist eine Art Onlinewerkzeug für Website-Entwickler. Sie verlinken die von ihnen erstellten Seiten mit diesem Werkzeug, damit es aktuelle Dateiversionen "zuliefert", die zur korrekten Darstellung der Website benötigt werden. Ohne die Verbindung zu code.jquery.com funktionieren die Seiten nicht richtig.

Die Provider hatten frühzeitig angekündigt, keine perfekten Filter bauen zu können. Alles sei "work in progress" und werde mit der Zeit verbessert. Bislang wird vor allem die Liste der Kollateralschäden länger. Die Liste der Möglichkeiten, die Filter zu überlisten, wird es aber auch. Selbst Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren wissen oftmals, wie das geht.