Google Glass © BENOIT DOPPAGNE/AFP/Getty Images

Kinobetreiber verbieten die Mitnahme von Videokameras in den Kinosaal. Aus gutem Grund, müssen sie doch befürchten, dass jemand die Leinwand abfilmt und den Film anschließend kostenlos in einer Tauschbörse anbietet.

Bei Smartphones wird das schon schwieriger. Die haben auch eingebaute Kameras. Aber kein Kinobetreiber kann ernsthaft verlangen, dass Besucher ihre Smartphones am Eingang abgeben, denn gegen ein paar SMS vor Filmbeginn ist natürlich nichts einzuwenden.

Noch komplizierter wird es bei Google Glass. Der Minicomputer am Brillenrahmen hat ebenfalls eine videofähige Kamera. Aber mit den richtigen Gläsern ist die Brille eben auch eine Sehhilfe. Noch ist Glass nicht im Handel, aber die Frage, ob das Gerät mit ins Kino darf, beschäftigt in den USA Kinobetreiber wie auch die ersten Tester.

Einer von ihnen wurde am vergangenen Wochenende während des Films von Beamten der Heimatschutzbehörde unsanft aus dem Kinosaal geholt. Er wurde verdächtigt, den Film heimlich aufzunehmen. Das Blog The Gadgeteer hat seine Geschichte veröffentlicht. Die Probleme, die er beschreibt, werden grundsätzlich auch auf deutsche Kinobetreiber und deutsche Glass-Träger zukommen.

In den USA wird die Brille zunehmend als das erkannt, was sie ist: ein tragbarer Computer mit Kamera-, Navigations- und Kommunikationsfunktionen. Das führt zu Bußgeldbescheiden für Autofahrer, die das Gerät während der Fahrt auf der Nase haben, und es führt zu Hausverboten in Kneipen und Kasinos.

Kinobetreiber waren sich zunächst unsicher, wie sie auf Glass reagieren sollen. Gleich ganz verbieten? Unter bestimmten Umständen erlauben? Eine allgemeine Regelung gibt es bislang nicht. In Columbus im Bundesstaat Ohio ließen die Betreiber eines Kinos der Kette AMC den Glass-Träger zumindest unbehelligt in den Kinosaal. Er hatte die Computerbrille nach eigenen Angaben ohnehin ausgeschaltet, weil er nicht wollte, dass sie ihn ablenkt. Er hätte auch eine andere Brille aufsetzen können, aber er wollte Glass offenbar einem umfassenden Alltagstest unterziehen. 

Der ging gründlich schief: Eine Stunde nach Filmstart stand plötzlich ein Mann vor ihm, zeigte kurz eine Dienstmarke, riss ihm die Brille vom Kopf und befahl ihm, sofort mit nach draußen zu kommen.

Dort wurde der Mann von mehreren "Polizisten und Wachmännern" eingeschüchtert und dann in ein Büro gebracht, wo er ausgiebig befragt wurde. Das sei "ein freiwilliges Gespräch", sagte man ihm, aber wenn er nicht kooperiere, könnten schlimme Dinge passieren. So schildert es der Mann zumindest. 

Zwei Gratistickets als Entschädigung

Seinen wiederholten Einwand, man könne die Brille einfach an einen Computer anschließen und überprüfen, dass darauf kein Video gespeichert sei, hätten die Beamten ignoriert. Sie hätten ihm sogar untersagt, seine Brille anzufassen – aus Angst, er könne das vermeintlich aufgenommene Video löschen und damit Beweismaterial vernichten. Erst "nach einer sehr langen Zeit", schreibt der Mann, hätten sie sich dann doch davon überzeugt, dass er die Leinwand nicht abgefilmt hatte. Damit sei die Befragung dann plötzlich beendet gewesen.

Ein Mann, der sich als "Bob Hope" vom Filmverband vorstellte, habe noch gesagt, es gebe in dem Kino und dem Film nun einmal Probleme mit illegalen Kopien. Er bot dem Mann zwei Gratistickets als Entschädigung an, aber keine Entschuldigung.