Mit dem Sammeln von Spenden kennt sich Jimmy Wales aus. Sein Gesicht prangte längere Zeit über der Website der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Neben dem Foto des Gründers war ein Spendenaufruf platziert, was etliche Nutzer auf Dauer als ziemlich aufdringlich empfanden. In Zukunft will Wales die Spenden nun etwas unauffälliger einwerben.

Wie Wales am Montag auf der Medienkonferenz DLD14 (Digital-Life-Design) in München ankündigte, steigt er beim britischen Mobilfunkbetreiber The People's Operator ein und wird als Kovorsitzender Mitglied des Verwaltungsrates. Das Unternehmen verspricht, zehn Prozent der Summe auf jeder Telefonrechnung seiner Kunden an wohltätige Organisationen zu spenden. Außerdem sollen 25 Prozent des Gesamtgewinnes in eine Stiftung fließen, die ebenfalls Gutes tun soll.

So will Wales auf die stattliche Spendensumme von einer Milliarde Dollar kommen. Er sei zwar kein Internet-Milliardär, der so etwas alleine stemmen können, sagte Wales in München. Aber eine Enzyklopädie habe er auch nicht alleine schreiben können.

Gegründet wurde The People’s Operator (TPO) im Jahr 2012. Die Firma kauft Mobilfunkverträge bei anderen Netzbetreibern und vertreibt diese dann zu eigenen Konditionen weiter. Dazu zählt, dass die Kunden selbst festlegen können, an welche Organisation die zehn Prozent ihres Rechnungsbetrages fließen. Als nächstes will TPO auf den US-Markt expandieren. "Das wird nicht über Nacht passieren, aber unser Plan ist es, in so vielen Ländern wie möglich zu starten", sagte Jimmy Wales der Newsseite cnet.com.

Dem Allgemeinwohl digital dienen

TPO ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das Kommerz und Wohltätigkeit verbindet. In Deutschland gibt es etwa seit knapp anderthalb Jahren die Plattform fraisr.com, ein Markplatz für Gebrauchtes. Der Name des Berliner Start-ups ist eine Verschmelzung der Worte friends und Fundraising: Es geht darum, Spenden über den Freundeskreis zu sammeln. Wer dort Gegenstände an seine Kontakte verkauft, legt vorher fest, welcher Anteil des Verkaufspreises an eine bestimmte Hilfsorganisation geht.

Dem Allgemeinwohl dienen mit digitalen Mitteln, daran arbeitet Jimmy Wales mit der Wikipedia schon seit 2001. Dass er sich nach dem Aufbau der Online-Enzyklopädie nun für den Mobilfunkbereich interessiert, liegt an einer simplen Prognose: Die Zukunft des Internets ist mobil, vor allem in Entwicklungsländern. Im Jahr 2000 hätten in Nigeria nur 0,1 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet gehabt, im Jahr 2013 seien es schon 40 Prozent gewesen, sagte Wales in München. Ein Großteil dieses Wachstums entfalle auf mobile Geräte, vor allem Smartphones.