Der Fall der Abmahnungen wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen von Nutzern des Pornoportals Redtube ist inzwischen reichlich dubios. Das Verhalten der Abmahner ist so auffällig, dass es den Verdacht nahelegt, es handele sich um Betrüger.

Die Abmahnungen haben für Aufregung gesorgt, weil sie auf so zweifelhaftem Wege zustande kamen. Mehr dazu, wie die Daten für die Abmahnungen unter Umständen erzeugt wurden, steht beispielsweise hier in einem ausführlichen Blogpost. Den Abmahnern wird das Ganze nun offenbar zu heikel, sie sind abgetaucht. Denn längst sind die Jäger zu Gejagten geworden.

In Auftrag gegeben hatte die Abmahnungen von Tausenden deutschen Nutzern eine Firma aus der Schweiz. Sie heißt The Archive AG. Zumindest sagte Anwalt Thomas Urmann, der die Abmahnungen letztlich verschickte, dass er dabei im Namen dieser Firma gehandelt habe.

The Archive selbst war für Nachfragen zu dem Thema nie zu erreichen, man reagierte dort weder auf Mails noch auf Anrufe. Und nun gibt es auch keine Firma mehr, The Archive ist nahezu verschwunden. Die Website ist tot, das Telefon klingelt zwar, aber es geht niemand ran.

Lediglich einmal hatte sich das Unternehmen bislang zu Wort gemeldet. Am 22. Dezember 2013 hatte ein gewisser Ralf Reichert im Namen der Firma per E-Mail eine Erklärung verschickt und von einer "Vielzahl von falschen Spekulationen" berichtet. Doch schon wenige Tage später haben die Verantwortlichen das Unternehmen offensichtlich verschwinden lassen.

Wie aus Daten des Schweizer Handelsregisters hervorgeht, bekam die Firma The Archive AG am 27. Dezember einen neuen Chef und einen neuen Firmensitz. Der bisherige "Direktor mit Einzelunterschrift" der AG, Philipp Wiik, ist von dieser Funktion zurückgetreten. Er hatte das Unternehmen 2011 gegründet, nun firmiert jemand namens Djengue Nounagnon Sedjro Crespin als Direktor, laut Handelsregister beninischer Staatsangehöriger. Außerdem zog das Unternehmen demnach vom schweizerischen Bassersdorf nach Weisslingen.

Websites verschwunden

Es sieht ganz danach aus, als sei ein Strohman eingesetzt worden, damit die Verantwortlichen einer eventuellen Strafverfolgung entgehen können. Christian Solmecke ist einer der Anwälte, die Abgemahnte vertreten. Er formuliert es etwas vorsichtiger. "Das ist zumindest kurios", sagt er.

Gleichzeitig ist eine weitere Website verschwunden – die des Unternehmens, das die IP-Adressen der Pornonutzer aus dem Netz gefischt haben will. Die Abmahner hatten argumentiert, eine Software namens Gladii 1.1.3 habe die IP-Adressen der Redtube-Nutzer ermittelt. Die Software sei von einer Firma namens itGuards bereitgestellt worden. Erst einen Tag, bevor ein Gutachten einer Kanzlei namens Diehl & Partner bestätigte, dass Gladii 1.1.3 ordnungsgemäß arbeitet und IPs erfasst, war die Firma itGuards im US-Bundesstaat Delaware registriert worden. Nun ist sie wieder verschwunden. Die Website von itGuards ist nicht mehr erreichbar. Ihre Webadresse http://itguards.net/ führt in eine Sackgasse.