Einer der drei Filme, dessen testweiser Download in einem Gutachten von Diehl&Partner zur Software Gladii beschrieben wird © Screenshot ZEIT ONLINE

Wie kamen die Abmahner auf die IP-Adressen der Pornonutzer? Diese Frage ist im Fall von Tausenden Abmahnungen unter dem Stichwort Redtube immer noch ungeklärt. Viele Telekomkunden bekamen im Dezember Briefe von einer Anwaltskanzlei, weil sie angeblich illegal eingestellte Filme im Pornoportal Redtube gesehen haben sollen.

Ihre Adressen hatten die Abmahner von der Telekom bekommen. Der Internetanbieter hatte sie herausgegeben, weil das Landgericht Köln ihn mit entsprechenden Beschlüssen dazu gezwungen hatte. Das Landgericht hatte die Beschlüsse erlassen, weil ein Rechtsanwalt namens Daniel Sebastian das beantragt hatte – und weil er dazu Listen mit IP-Adressen der angeblichen Nutzer vorgelegt hatte. Aber woher kamen die?

Sebastian und sein Auftraggeber, das Unternehmen The Archive AG, berufen sich auf eine Software namens Gladii 1.1.3. Und sie schreiben dabei immer wieder von einem Gutachten, das belege, dass Gladii 1.1.3 sauber arbeite und die korrekten Adressen aus dem Internet fische.

Dieses Gutachten war bislang nicht zugänglich, nun aber hat es die Berliner Kanzlei Müller Müller Rößner (MMR) im Internet öffentlich gemacht. Und siehe da, der dubiose Fall wird dadurch noch dubioser: Denn das Gutachten sagt nichts darüber, woher die IP-Adressen kommen oder wie Gladii arbeitet.

In verschiedenen Berichten wird inzwischen auf die "Lücken und Widersprüche" in dem Text des Gutachters hingewiesen. Er habe nicht geprüft, wie die Software arbeite, die er teste, er habe sich das Programm gar nicht angeschaut. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Geprüft, was er prüfen sollte

Verfasst hat das Gutachten der Patentanwalt und Physiker Frank Schorr von der Kanzlei Diehl&Partner aus München. Er möchte nicht in Medien zitiert werden. So viel aber lässt sich nach einem Gespräch mit ihm getrost sagen: Er fühlt sich von den Berichten über ihn und das Gutachten ungerecht behandelt.

In seinen Augen hat das Gutachten genau das belegt, was es belegen konnte und sollte: Die ihm vorgelegte Software Gladii 1.1.3 kann in einem Testszenario registrieren, ob eine Datei von einem Server auf einen Rechner heruntergeladen wird. Sie kann dabei Daten wie den Download-Zeitpunkt und die IP-Adresse des Zielrechners aufzeichnen. Das sollte er prüfen, das hat er geprüft und bestätigt.

Wichtig dabei ist der Ausdruck Testszenario, der auch im Gutachten steht. Es ist keine allgemeine Aussage über die Arbeitsweise von Gladii, schon gar nicht ist es eine Aussage über irgendeine Streamingseite. Schorr bestätigt also auf zwölf Seiten nur, dass extra präparierte Dateien irgendwo heruntergeladen werden konnten und dass dieses Herunterladen erfasst wurde. Letztlich sind das Informationen, die auch im Logfile eines jeden Servers stehen, wenn von ihm Daten angefordert werden. Laut Gutachten ist Gladii also eine Art ausgedruckter Server-Logfile, mehr nicht.