Facebook ist wie eine Seuche, die sich weltweit ausbreitet, aber in drei Jahren weitgehend besiegt sein wird. So sehen das zwei US-Forscher.

Das soziale Netzwerk, die Beulenpest des 21. Jahrhunderts? Wäre Facebook ein Krankheitserreger, so wäre er hoch ansteckend, hätte sich bis in die entlegensten Regionen der Erde ausgebreitet und bis heute mehr als eine Milliarde Menschen infiziert. Bei einigen Patienten wird die Krankheit chronisch.

Wer Facebook und ähnliche Plattformen nicht mag, dem werden solche Vergleiche gefallen. Die beiden Doktoranden John Cannarella und Joshua Spechler vom Institut für Luft- und Raumfahrttechnik an der Eliteuniversität Princeton aber begründen ganz sachlich, warum Facebook für sie eine Seuche ist: Menschen stecken sich mit Viren oder Bakterien an, wenn andere um sie herum schon krank sind – und ebenso werden Menschen Mitglied in einem sozialen Netzwerk, wenn ihre Freunde es bereits sind, erklären sie in ihrer Veröffentlichung mit dem Titel Epidemiological modeling of online social network dynamics. So wie sich Epidemien ausbreiten und wieder eingedämmt werden, ergehe es auch Internetangeboten.

Facebook sei da keine Ausnahme. Die jungen Forscher, deren Luft- und Raumfahrt-Arbeitsgruppe eigentlich auf Lasertechnik im Nanobereich und Materialforschung spezialisiert ist, wagen auch eine Prognose: Bis zum Jahr 2017 werden rund 80 Prozent der heutigen Nutzer Facebook den Rücken gekehrt haben. Die "Krankheit" wird langsam ausgerottet, wie einst die Pest. Aber wie kommen Cannarella und Spechler darauf? Schließlich gibt es ja keine Seuchenprogramme oder Impfkampagnen gegen das Netzwerk.

Ihre Vorhersage beruht auf Daten von Google. Google nutzt den Input seiner Nutzer selbst seit vier Jahren, um die Ausbreitung etwa von Grippe-Epidemien vorherzusagen: Wird in bestimmten Gebieten vermehrt nach Begriffen wie "Flu" (Grippe) gesucht, ist dort kurze Zeit später eine entsprechende Krankheitswelle festzustellen, schrieben Google-Forscher schon 2009. Mit Twitter funktioniert das mittlerweile ebenso.

Nach diesem Vorbild haben sich Cannarella und Spechler angeschaut, wie oft "Facebook" als Suchbegriff bei Google eingegeben wird. Das ist ihr Indikator für die Beliebtheit und Ausbreitung des Netzwerks. Seit einem Höhepunkt im Jahr 2012 fällt die Kurve, wie Google Trends zeigt.

Die beiden Forscher verglichen diese Kurve mit der von MySpace. 2003 gegründet, war es das einst das größte Netzwerk des Internets, fiel dann aber – trotz einiger Wiederbelebungsversuche – in die Bedeutungslosigkeit ab. Die Zahlen von Google Trends zeichnen diese Entwicklung nach. Sie entspricht der einer typischen Grippe-Welle.

Cannarella und Spechler nehmen an, dass es Facebook ähnlich ergehen wird und extrapolieren die Zahlen. So kommen sie zu dem Schluss, dass die Menschheit die Krankheit Facebook bis 2017 unter Kontrolle gebracht haben wird.

Studie berücksichtigt mobiles Internet nicht

Facebook-Gegner wird diese Vorhersage freuen. Aber die Studie hat Schwächen. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass sich gerade Jugendliche in den USA und einigen europäischen Ländern seltener bei Facebook anmelden als früher. Oder dass sie das Netzwerk sogar schon für peinlich, uncool und mehr oder weniger tot halten. In anderen Regionen wächst die Zahl der Nutzer aber immer noch, und zwar schnell. Cannarella und Spechler wollten sich auf Anfrage noch nicht dazu äußern, weil sie die Studie zur Begutachtung bei einem Wissenschaftsjournal eingereicht haben und erst das Ergebnis abwarten wollen.

Der Vergleich mit dem Abwärtstrend von MySpace jedenfalls ist gewagt. Das Internet verändert sich ständig – im Moment vor allem hin zum mobilen Netz. Allein das könnte eine Erklärung für den Rückgang bei den Google-Suchen nach dem Wort "Facebook" sein: Wer das Netzwerk auf seinem Smartphone nutzt – und das tun immer mehr Menschen – greift über eine App darauf zu. Es ist schlicht nicht mehr nötig, Facebook zu googeln.

Vielleicht ist Facebook nicht die neue Beulenpest oder ein Grippevirus, das sich jedes Jahr verwandelt und mal schwere, mal leichte Epidemien auslöst. Vielleicht ist es eher wie Herpes: Wen es einmal da ist, geht es nie wieder so richtig weg.

Update: Facebook hat eine sehr souveräne Antwort auf die Studie veröffentlicht. Darin legen Facebook-Mitarbeiter anhand der gleichen Methoden dar, dass Princeton im Jahr 2021 keine Studenten mehr haben wird – und die Erde im Jahr 2060 Jahren keine Luft zum Atmen mehr.