Emoticons wie das lächelnde Smiley :-) oder einfach :) sollen Emotionen darstellen. Doch was passiert in unserem Gehirn, wenn wir ein Emoticon sehen? Ein Forscher-Team um Owen Churches von der Flinders University im australischen Adelaide hat nun herausgefunden, dass Emoticons Gesichter nicht nur darstellen: Sie werden vom Gehirn auch als solche verarbeitet. Die Flut der Emoticons in E-Mails, SMS, Foren und anderen elektronischen Nachrichten ist offenbar nicht ohne Folgen geblieben.

In der Studie von Churches, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Social Neuroscience erschienen ist, geht es um die neuronale Basis der Emoticon-Verarbeitung. Genauer gesagt geht es nur um ein bestimmtes Emoticon, das glückliche Smiley :-).

Der US-Informatiker Scott E. Fahlman hatte das Ur-Emoticon und seinen negativen Gegenpart :-( vor mehr als 30 Jahren erfunden, um witzig und traurig gemeinte Textpassagen zu kennzeichnen. Heute ist Emoticon im alltäglichen Sprachgebrauch mit Smiley gleichbedeutend – das letztere, meist gelbe Symbol ist eigentlich ein Artefakt der Gegenkultur der 1960er.

Bei Emoticons geht es allerdings nicht um etymologische Spitzfindigkeiten. Sie sollen Texte verständlicher machen. Wie sie von unserem Gehirn verarbeitet werden, war bislang unerforscht.

Das Gehirn verarbeitet Smileys wie Gesichter

Da das Smiley nur eine Folge von typografischen Zeichen ist – weder die Klammer noch der Doppelpunkt sehen wie die Gesichtszüge aus, die sie repräsentieren – gingen die Neurowissenschaftler um Owen Churches davon aus, dass das Symbol im Gehirn ganzheitlich, "konfigural" verarbeitet wird. Das heißt: Das Gehirn setzt das Gesicht nicht aus einzelnen Zügen zusammen, sondern erkennt sozusagen auf einen Schlag, dass das Smiley für ein Gesicht steht.

Die Forscher haben 20 Probandinnen und Probanden Porträtfotos von lächelnden Männern und Frauen gezeigt. Dazu kamen bedeutungslose Zeichenfolgen wie */o und das Smiley :-) in unterschiedlichen Schriftarten. Manchmal standen die Gesichter Kopf oder die Zeichenfolgen waren seitenverkehrt. Bei jedem Stimulus wurde mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) die Gehirnaktivität der Probanden gemessen.

Die Hypothese von Churches' Team hat sich bestätigt. Die Ergebnisse des Experiments legen nahe, dass das Smiley tatsächlich im Okzipitallappen im hinteren Teil des Großhirns verarbeitet wird. Diese Gehirnregion ist auch für konfigurale Gesichtserkennung zuständig. Dreht man das Smiley allerdings um, gibt es in diesem Gehirnareal keine nennenswerte Aktivität mehr. Das seitenverkehrte Smiley (-: wird nicht als Gesicht erkannt.

Kulturelle Phänomene verändern das Gehirn

Grund ist der Bruch des Kontextes. Internetnutzer haben gelernt, dass eine bestimmte Zeichenfolge für ein lächelndes Gesicht steht – :-). Die seitenverkehrte Version (-: erkennen wir bewusst zwar immer noch als ein Smiley. Da sie aber seltener vorkommt, laufen im Gehirn andere Prozesse ab. Im Gegensatz zu einem Porträtfoto, das Kopf steht, zeigt das Smiley auch keine erkennbaren Gesichtszüge. Das Gehirn kann das Smiley-Symbol also nicht merkmalsorientiert – Gesichtszug um Gesichtszug – als Gesicht verarbeiten.

Für Owen Churches steht fest: Das Gehirn erkennt das glückliche Smiley als Gesicht, weil die Sprache der Internetkommunikation unsere Gehirne verändert. "Keinem Baby ist die Fähigkeit angeboren, Smileys als Gesichter zu erkennen", sagte Churches dem australischen Fernsehsender ABC, "wir haben hier eine ausschließlich kulturell bestimmte neuronale Reaktion." Churches' ältester Proband war allerdings erst 32 Jahre alt. Ob das Emoticon auch für ältere Menschen, deren Kommunikationserfahrung nicht so stark vom Internet geprägt ist, einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert hat, ist also nicht erwiesen.