Lecker Facebook-Kuchen. Jefällt ma!

Wer sich das Pressematerial zum zehnten Geburtstag von Facebook anschaut, ist gleich mittendrin in den PR-Abgründen. Da geht es um spektakuläre Hilfsaktionen, um kitschige Liebesgeschichten und natürlich Zahlen, Zahlen, Zahlen: 1,23 Milliarden Nutzer hat das Netzwerk angeblich inzwischen, 750 Millionen von ihnen verbringen täglich im Schnitt 17 Minuten auf der Plattform. 7,9 Milliarden US-Dollar Umsatz machte das Unternehmen im vergangenen Jahr.

Doch das sei nur der Anfang, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. In den kommenden zehn Jahren habe man "die Verantwortung, alle Menschen auf der Welt miteinander zu verbinden". Nicht die Möglichkeit, nicht das Ziel, sondern die Verantwortung! Das ist eine Drohung. Denn auf jede vermeintliche Erfolgsgeschichte Facebooks folgt ein peinlicher Trend, der unweigerlich zur Frage führt: Wollen wir wirklich noch einmal zehn Jahre mit Facebook verbringen?

Natürlich sind zehn Jahre im Internet zunächst einmal bemerkenswert. Wer die heutigen digital natives auf die Gründung Facebooks anspricht, könnte genauso gut vom Krieg oder vom letzten guten Album von Depeche Mode erzählen. Als Thefacebook am 4. Februar 2004 an den Start ging, saugten die Menschen noch abmahnfrei Filme und Musik per eMule, Nokia dominierte das Handygeschäft und Sascha Lobo hatte noch keinen roten Irokesenschnitt. Eigentlich eine ziemlich gute Zeit.

Von Selfies und Oversharing

Doch dann kam dem wuschelköpfigen Harvard-Studenten Zuckerberg und seinen vier Mitstreitern die Idee, ihre Lieblingsbeschäftigungen auf einer Website zu bündeln: Sex, Partys, abgedroschene Sartre-Zitate. Was man eben so macht als Student. Facebook war nicht das erste soziale Netzwerk. Aber gepaart mit einer anfänglichen Exklusivität an den US-Hochschulen, war es damit einfacher denn je, anderen Menschen aus der Peergroup virtuell nachzustellen und sich gleichzeitig interessanter zu präsentieren, als man tatsächlich ist. In dieser Hinsicht hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn die Plattform längst ein mächtiges Marketing- und Informationsnetzwerk ist.

Bis heute frönt man dem Narzissmus im Netz mit Selbstporträts, oder wie es dieser Tage heißt: mit Selfies. Das englische Wort des Jahres 2013 hat nämlich eine lange Geschichte. Bevor Instagram – inzwischen natürlich im Besitz von Facebook – mittelmäßige Handybilder als  künstlerisch wertvoll verkaufte, gab es auf der Plattform schon Selfies in allen Formen und Posen. Nebenbei brachte uns Facebook schlimme Trends wie Duckfaces und Planking, und es nahm Millionen unschuldige Haustiere als Geisel.

Doch das war nur der Anfang: Auf die Selbstporträts folgten die Party-, Urlaubs- und Babybilder. Heute sind wir dank Facebook mittendrin im Leben der anderen und finden es völlig normal: Wir sehen, wie Bärbel aus der achten Klasse durch Venedig läuft und dass Jörg am Wochenende wieder mit den Fußballern saufen war. Wir bekommen mit, wie so mancher Beziehungsstatus zwischen Freitag und Montag von "Single" zu "In einer Beziehung" und wieder zu "Getrennt" wechselt. Je mehr obskure Freunde und Likes man bekommt, desto satisfaktionsfähiger glaubt man zu sein. Deine Schwiegermutter ist Facebook beigetreten – jefällt ma! Lieschen Müller hat zum fünften Mal ein Foto einer veganen Currywurst gepostet – jeht ab! Oversharing heißt der Begriff für das Teilen privater Details mit einer Öffentlichkeit, und nach einer aktuellen Umfrage geht es 36 Prozent aller Nutzer auf den Keks. Davon abhalten tut es trotzdem nur die Wenigsten. Wieso? Weil Facebook.

Für all das muss man noch nicht einmal persönlich angemeldet sein. Seit die Plattform im Jahr 2009 den "Gefällt-Mir"-Knopf einführte, begegnet uns Facebook überall im Netz. In den Kommentarspalten von Nachrichten-Websites, zur Registrierung bei Spotify und anderen Diensten, in Blogs, und immer häufiger führen Links zu Bildern und Videos der Plattform. Man muss Facebook nicht nutzen. Aber man kann es nur schlecht ignorieren.