ZEIT ONLINE: Die Website RedTube und die dort angebotenen Filme sind für den Nutzer nicht als illegal zu erkennen. Die Seite bietet Copyright-Informationen und ein Compliance Statement et cetera und ihre Inhalte wirken auch nicht illegal kopiert, sondern entweder von Nutzern eingestellt oder von Filmfirmen als Teaser zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig ist das Anschauen eines Streams hier bislang nicht illegal. Herr Sebastian, sind Sie sicher, dass Sie mit RedTube das richtige Ziel für eine Abmahnung ausgewählt haben? 

Daniel Sebastian: Ich selber habe RedTube nicht ausgewählt. Mir wurden die Datensätze fertig übermittelt, ich hatte auf die Auswahl keinen Einfluss, diese wurde von der Mandantschaft getroffen.

Die Ansicht, dass Streaming nicht illegal sei, kann ich nicht teilen. Das ist auch keineswegs die einzige in der juristischen Fachliteratur vertretene Meinung. Im Gegenteil ist es so, dass das Recht der Vervielfältigung nach Paragraf 16 Urhebergesetz ausdrücklich auch vorübergehende Vervielfältigungshandlungen umfasst. Damit werden auch Vervielfältigungen im Arbeitsspeicher eines Computers erfasst.

Es gibt zudem auch Argumente für eine erkennbare Illegalität: Das Zugänglichmachen von Pornografie an Personen unter 18 Jahren ist in Deutschland eine Straftat. Eine Altersverifikation findet jedoch nicht ernsthaft statt. Hinzu kommt, dass die Impressumspflicht verletzt wird, obwohl sich das Angebot primär an deutsche Nutzer richtet. Auch sind wohl viele aktuelle Filme in voller Länge eingestellt, wie mir berichtet wurde. Der verständige Nutzer sollte sich da schon fragen, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Dass es RedTube mit Rechtsvorschriften nicht so genau nimmt, und dass dadurch und durch vergleichbare Portale massenhaft nicht nur Urheberrechte verletzt werden, sondern auch Kindern und Jugendlichen Pornografie auf einfache Weise zugänglich gemacht wird, ist nicht ernsthaft zu bezweifeln. Dass auch Pornofilmhersteller und alle daran Beteiligten ein Recht auf Bezahlung haben ebenfalls nicht. Mit den Interessen des Urheberrechtsschutzes, des Jugendschutzes und des Wettbewerbsrechtes ist es daher kaum zu vereinbaren, derartige Portale unproblematisch als legal zu bewerten.

ZEIT ONLINE: Können Sie aufklären, um wie viele Fälle es eigentlich geht? Es kursieren dazu verschiedene Zahlen. Daher: Wie viele Anträge haben Sie gestellt, wie viele IP-Adressen waren jeweils auf diesen vermerkt, wie viele Anträge wurden angenommen, wie viele abgewiesen? 

Sebastian: Darauf darf ich aus berufsrechtlichen Gründen nur eingeschränkt antworten. Ich verweise auf die Pressemitteilung des Landgerichts Köln. Die dort genannten Zahlen sind korrekt.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie zu dem Mandat gekommen? 

Sebastian: Die Mandantschaft (das Unternehmen The Archive AG, Anm. d. Red.) kam auf mich zu, da ich auf dem Gebiet der Verfolgung von Urheberrechtsverstößen sehr aktiv bin und hervorragende Ergebnisse liefere. 

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie nach der Formulierung der Antragsschriften nicht auch die Abmahnungen selbst übernommen? 

Sebastian: Zum einen wollte ich keine Abmahnungen wegen der Verletzung von Rechten an Material pornografischen Inhalts versenden. Dies kann sich negativ auf die Beziehungen zu Mandanten, die nicht pornografische Inhalte schützen wollen, auswirken. Zum anderen war mir auch bewusst, dass wir damit Neuland betreten würden und das Medienecho groß sein würde. Ich ziehe es vor, nicht in der Öffentlichkeit zu stehen. Dass nun dennoch relativ viel über mich berichtet wird, habe ich so nicht vorher gesehen.