Als YouTube zuletzt mehrere Livestreams aus der Ukraine mit der Begründung sperrte, im Video sei möglicherweise Musik enthalten, "für die die erforderlichen Musikrechte von der Gema nicht eingeräumt wurden", war die Empörung groß. Gegenüber der Gema, versteht sich, nicht gegenüber YouTube und dem Mutterunternehmen Google. Dabei hatte die Gema die Sperren gar nicht veranlasst. In Zukunft soll es solche Hinweise von YouTube auch nicht mehr geben. Das jedenfalls hat das Landgericht München in der vergangenen Woche geurteilt.

"Für uns ist das Urteil eine große Kiste", freut sich Gema-Pressesprecherin Ursula Goebel. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig. Selbst wenn sie es wäre, könnte es mit der guten Laune bei der Gema bald wieder vorbei sein.

Nachdem ein vorläufiger Vertrag 2009 auslief, streitet sich die Verwertungsgesellschaft mit der Google-Tochter über Lizenzgebühren für Videos von Künstlern, die von der Gema vertreten werden. Die Verwertungsgesellschaft verlangt 0,375 Cent pro Abruf. Google bietet dagegen eine prozentuale Beteiligung an den Werbeeinnahmen an – und führt die Auseinandersetzung nicht bloß juristisch. Die berüchtigten Gema-Sperrtafeln sind ein Ärgernis für alle Internetnutzer in Deutschland.

Die Verwertungsgesellschaft leide sehr unter den Hinweistafeln, die seit drei Jahren behaupten, die Gema gewähre die Nutzungsrechte nicht, sagt Goebel. "Auf einmal glaubte der Privatnutzer, dass wir ihm den Musikgenuss verwehren", sagt Goebel. Dabei sei das Gegenteil der Fall: "Die Gema muss die Nutzungsrechte einräumen." Nur eben nicht ohne Gebühr.

Das Angebot Googles, die Gema an den Werbeerlösen zu beteiligen, könne die Verwertungsgesellschaft nicht annehmen – auch weil Google die Unterzeichnung einen Non-disclosure agreements verlangt. Der Prozentsatz der Einnahmenbeteiligung und der konkrete Betrag sollen also geheim bleiben. "Das ist für uns keine Option", sagt Goebel. "Wir sind unseren Mitgliedern Rechenschaft schuldig. Jedes einzelne unserer Mitglieder hat ein Recht auf Offenlegung dieser Zahlen und könnte das im Zweifel einklagen."

Ein Urteil gegen den schwarzen Peter

Der Spielraum der Gema in den Verhandlungen scheint also kleiner zu sein als der von Google. Auch hat die Verwertungsgesellschaft im Gegensatz zu Google keine Möglichkeit, massiv auf die Öffentlichkeit einzuwirken.

Durch die Sperrtafeln entstünde bei Nutzern der Eindruck, die Gema allein sei für die Situation verantwortlich, sagt Goebel. Deswegen habe die Verwertungsgesellschaft ein Imageproblem: "Man glaubt per se Google. Das ist eine positiv besetze Marke, weil alles kostenlos ist." Google wolle der Gema den schwarzen Peter zuschieben; deswegen sei das Urteil so wichtig. Mit Googles "Mauertaktik" im Lizenzstreit könnte schon bald Schluss sein, hofft Goebel.

Wie Google künftig mit nicht lizensierten Gema-Werken umgehen wird, ist noch unklar. Google-Sprecher Klaas Flechsig konnte zum möglichen neuen Design der Sperrtafeln jedenfalls noch keine Angaben machen.

Theoretisch könne das Unternehmen den Wortlaut der Tafel einfach ändern. Aber das seien Wortklaubereien, für Google sei das Ganze eher eine Kleinigkeit, sagt Flechsig. Eine Kleinigkeit allerdings, die Google nützt. Jeder Klick auf ein gesperrtes Video rückt YouTube in die Rolle des schuldlosen Opfers. Jeder Klick macht das schlechte Image der Gema noch ein bisschen schlechter. Google hat verstanden: Eine erfolgreiche PR-Strategie sieht nicht wie aus wie PR-Strategie.