Die RoboRoach von Backyard Brains © backyardbrains.com

Der Frühling ist in Deutschland angekommen. Schon kreucht und fleucht es wieder in Parks, Gärten und Hinterhöfen. Doch Vorsicht! Wer nervenden Insekten den Garaus macht, könnte wissenschaftliches Ausbildungsmaterial zerstören.

In diese Kategorie zumindest ordnet die US-Firma Backyard Brains ihre Produkte ein. Mit Bausätzen will sie Hobby-Biologen zeigen, wie die Nervensignale von Regenwürmern, Grillen oder Schaben funktionieren. Darunter ist auch ein Paket, mit dem sich Schaben der Gattung Blaberus discoidalis so umbauen lassen, dass man sie fernsteuern kann. Die Schabe wird zur RoboRoach. Zielgruppe sind Schüler und Studenten.

Für 99 US-Dollar kann man das Paket seit dem vergangenen November bestellen. Es enthält ein kleines Elektronikbauteil, eine Batterie und Drähte. Hat man die passende Schabe zur Hand (bei Backyard Brains gibt es zwölf Stück für 24 Dollar), kann man mit etwas Fingerspitzengefühl sein eigenes Cyborg-Insekt basteln.

Schabe immer schön zwischenkühlen

In Anleitungsvideos läuft der Eingriff folgendermaßen ab: Zunächst legt man die Schabe für zwei bis fünf Minuten in Eiswasser um sie zu betäuben. Rührt sie sich nicht mehr, rauht man mit Schleifpapier (150er Körnung; normalerweise zum Feinschleifen roher Holzflächen) den Panzer am Kopf des Insekts auf, um dort ein elektronisches Bauteil (Gewicht etwa 4,4 Gramm inklusive Batterie), mit Superkleber zu fixieren.

Dann wird die Schabe zwischengekühlt.

Mit einer Nadel bohrt man auf dem Rücken ein Loch in den Thorax und führt einen der Drähte von dem Bauteil am Kopf ein – zur Erdung.

Noch mal zwischenkühlen.

Um die anderen beiden Drähte mit den Fühlern zu verbinden, kürzt man diese ein gutes Stück und führt dann den Draht ein. Alle Wunden verschließt man mit Superkleber ("… wurde auch in Vietnam zur Erstversorgung von Wunden auf dem Schlachtfeld benutzt …"). 

Laut Firma lässt sich das Tier problemlos vom Bauteil befreien

Nach zwei bis vier Stunden, spätestens aber einer Nacht, soll sich die Schabe soweit von dem Eingriff erholt haben, dass sie bereit zum Test ist. Der elektronische Schabenrucksack besitzt eine Bluetooth-Schnittstelle, die über eine App auf dem Smartphone angesprochen werden kann. Fährt der Bastler über den Touchscreen, kann er das Tier nach links oder rechts steuern, sobald es losläuft. Die Schabe bekommt dazu Strompulse in ihre Restfühler versetzt, was sie glauben lässt, sie sei auf ein Hindernis gestoßen.

Nach wenigen Minuten hat die Schabe sich an das System gewöhnt und muss für 20 Minuten zurück ins Terrarium, damit sie die Stromsignale wieder "verlernt". Nach zwei bis sieben Tagen funktioniert die Stimulation gar nicht mehr. Die Schabe kann von den Drähten und dem Elektrobauteil befreit und in eine Brutkolonie entlassen werden. So jedenfalls empfiehlt es die Produktbeschreibung auf der Seite von Backyard Brains.