Eine unschuldige Webplattform, um ein paar Dollar dazuzuverdienen, oder eine gigantische illegale Untergrundorganisation?  Über 60 Prozent aller Mietangebote in New York über die Web-Plattform Airbnb sind illegal. Das jedenfalls sieht der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman so. Am heutigen Dienstag zieht er gegen das Start-up aus San Francisco vor Gericht, um die Herausgabe der Daten tausender Anbieter zu erzwingen.

Für die Betroffenen kann das fatale Folge haben. In 2013 wurde ein New Yorker Airbnb-Anbieter bereits zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Doch es kann auch noch schlimmer kommen.

So wie für Jeffrey Katz. Er hatte sein Apartment in San Francisco zeitweise an Urlauber vermietet und die Antwort kam unerbittlich. Der Mietvertrag wurde im April gekündigt, Katz hatte genau 72 Stunden Zeit, um seine Sachen zu packen. Aufgrund der explosiven Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Bay-Metropole ist kein bezahlbarer Mietvertrag in Sicht. Jetzt sucht Jeffrey in Oakland oder noch weiter entfernt nach einer Bleibe.

Katz ist kein Einzelfall, mindestens zwei weitere Airbnb-"Gastgeber" in San Francisco wurden im März zwangsgeräumt, immer unter Hinweis auf städtische Gesetze. Die verbieten, so wie in New York, kategorisch Untervermietungen für Zeiträume von weniger als 30 Tage. Für die gekündigten Mieter ist es ein Desaster, für die Eigentümer eine willkommene Chance: bei Neuvermietungen sind heute nicht selten Mietaufschläge von 100 Prozent durchsetzbar.    

Pornoparty im Nobelappartement

Ari aus New York brauchte ebenfalls dringend eine neue Bleibe. Er hatte sein Nobelappartement in New York im März an "David" vermietet. Der organisierte dort eine riesige Pornoparty für zahlende Kunden. Um mehr Platz zu schaffen, ließ er die Möbel zerlegen und rausschaffen, ständig kamen neue Leute zur angegebenen Adresse. Am Ende des Tages saß Ari auf über 80.000 Dollar Schaden, musste die Polizei einschalten und hielt die fristlose Kündigung in der Hand.

Solche Fälle wie auch Meldungen über Wohnungen, die für eine Woche oder zwei zu Ad-hoc-Bordellen umfunktioniert werden, werfen ein schlechtes Licht auf den Service, den im vergangenen Jahr rund elf Millionen Menschen genutzt haben und der erst vergangene Woche nach Informationen von Reuters eine Finanzspritze von 450 Millionen Dollar zu einer Gesamtbewertung von zehn Milliarden Dollar bekommen hat. Airbnb ist auf dem Weg, der nächste Super-Börsengang zu werden und seine jungen Gründer zu Milliardären zu machen.

Airbnb wirbt für Verständnis und um Vertrauen

Deshalb wehrt sich Airbnb mit Händen und Füßen. Geprellte Wohnungsanbieter wie die Porno- oder Bordell-Opfer werden heute großzügig entschädigt, das war früher nicht der Fall. Aber neue Mietverträge hat auch Airbnb nicht in der Schublade. Deshalb wirbt die Sharing-Plattform jetzt für Verständnis und um Vertrauen.

Am Wochenende schickte Douglas Atkin, Global Head of Community, eine Brandmail an die Mitglieder und warb für die Petition von Airbnb-Host Pete. Der fordert die Stadt San Francisco auf, gegen "räuberische Vermieter" vorzugehen, die unschuldige Airbnb-Hosts aus ihren Wohnungen werfen. Lokale Vermietgesellschaften sollen mittlerweile eigene Mitarbeiter aussenden, um als angebliche Gäste Appartements anzumieten, die sie unter Verwaltung haben. Die Zwangsräumung folgt dann auf dem Fuße. Rund 35.000 Unterschriften sind bislang zusammengekommen. Airbnb, das unterdrückte Opfer.

Cheflobbyist David Hantman postete am Sonntag auf der Firmenwebseite ein Update für die tausenden New Yorker, die in Angst vor einem Brief der Staatsanwaltschaft leben. "Die Regierung wird uns beschuldigen, schlechte Nachbarn zu sein, sie werden uns "Slumlords" und Steuerbetrüger nennen, wahrscheinlich werden sie uns auch beschuldigen, die Mondlandung gefälscht zu haben. Ok, damit können wir leben", so Hantmans zynischer Kommentar.