Ein Computerraum um 1970 © Getty Images

Heute vor 50 Jahren haben die Mathematiker John Kemeny und John McGeachie am Dartmouth College in New Hampshire das erste BASIC-Programm ausgeführt. BASIC steht für Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code.Damals ging es darum, fachfremden Studenten Computer näherzubringen, mittels einer zugänglichen und einfachen Programmiersprache. Vom neuen Mainframe-Computer der Hochschule sollten nicht nur Physiker und Mathematiker profitieren. Doch Kemeny und McGeachie haben mehr als das erreicht: BASIC wurde geradezu zum Inbegriff für Computerkenntnisse.

Und heute? Nach dem Siegeszug der graphischen Benutzeroberflächen und nach der Touchscreen-Revolution haben Computeranwender kaum noch Gründe, auch nur eine Zeile Code zu schreiben. Ein paar Wischgesten, und alle Softwarebedürfnisse sind befriedigt – "dafür gibt's doch eine App".

In den achtziger Jahren sei das anders gewesen, meinen Nostalgiker, und schwärmen von BASIC. Damals wurden fast alle Heimcomputer, ob von Commodore, Atari oder Apple, mit einem BASIC-Compiler ausgeliefert. Die Programmiersprache war die Killer-App einer ganzen Ära. Ein unterentwickelter Softwaremarkt machte es notwendig, selbst zu programmieren. Jedenfalls war es nicht ungewöhnlich, bestehende Programme zu ergänzen oder eigene kleine Spiele zu schreiben. Und wer besonders viel Spaß daran hatte, wechselte aus dem Hobbykeller an ein Informatikinstitut, erfand irgendwann Google oder Facebook und wurde Milliardär.

Doch selbst in den achtziger Jahren interessierte sich nur eine Minderheit für das Programmieren. "Schon damals waren es Freaks", erinnert sich Beat Döbeli Honegger, Professor an der Pädagogischen Hochschule Schwyz. Als er mit einem Schulfreund damals einen eigenen Informatikkurs anbieten wollte, zeigten seine Mitschüler wenig Interesse.

Programmieren ist digitale Allgemeinbildung

Selbst Bildungspolitiker konnten sich nicht für den Informatikunterricht begeistern. "Als Anfang der achtziger Jahre die ersten PCs aufkamen, hieß es: Man müsse doch nicht programmieren können, um sie zu bedienen." Dabei habe es wenige Jahre zuvor noch in Positionspapieren geheißen, dass man den jungen Menschen ja das Programmieren dieser neumodischen Computer beibringen müsse. "Manches Dokument aus dem Jahr 1978 könnte von 2014 sein", sagt Döbeli Honegger.

Der politische Diskurs um Informationstechnologie und Bildung dreht sich seit Jahrzehnten im Kreis. Mal ist Informatik in, mal wieder out. Das nervt Döbeli Honegger. Er wünscht sich einen Informatikunterricht, der allen Schülern die, nun ja, Basics beibringt: "Zu wissen, wie Computer programmiert werden, gehört heute schlicht zur Allgemeinbildung. So wie man in der Schule ins Chemielabor geht – und eben nicht nur Bücher darüber liest oder Filme schaut – und trotzdem nicht zum Chemiker wird, genauso sollte man heute auch selbst mal programmiert haben." Im Alltag müsse man heute nicht programmieren können, "aber um die heutige Welt zu verstehen".

Vor drei Jahren hat Döbeli Honegger seine Erstsemester zuletzt gefragt, wie Google es schafft, in Sekundenbruchteilen Suchergebnisse zu liefern und wie das ökonomisch funktioniert. Keiner der Studenten konnte eine schlüssige Antwort liefern. Heute traut sich der Professor gar nicht erst, die Frage zu stellen.

Mündige Techniknutzer statt Hacker

Technik scheint für viele im luftleeren Raum zu hängen, abgekoppelt von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – eine gefährliche Vorstellung. Ein Grund für Fatalismus aber ist es nicht, sagt Döbeli Honegger. Negative Begleiterscheinungen wie die NSA-Überwachung und Twitter-Sperren könnten dazu beitragen, mehr Menschen für Technologie zu sensibilisieren, nämlich wenn neue Bedürfnisse entstünden. "Heute bauen Twitter-Nutzer in der Türkei eigene VPN-Router mit dem Raspberry Pi". Selbst Menschen, die ein paar Tage zuvor nicht wussten, was VPN überhaupt bedeutet, können sich entsprechende Anleitungen zusammengoogeln und damit staatliche Zensur umgehen.