Auf einer Konferenz in Brasilien soll geklärt werden, wie künftig das Internet verwaltet wird. "Die Rechte, die die Menschen offline haben, müssen auch online geschützt werden", heißt es in einem Resolutionsentwurf zu Beginn der zweitägigen "Net Mundial". Eingeladen zu dem Treffen hat Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff – vor allem aus Ärger über die Spionageprogramme der NSA. Zur Konferenz werden Hunderte internationale Vertreter aus Politik und Wirtschaft erwartet.

Die USA haben angekündigt, die Aufsicht über die Internet-Verwaltung schrittweise abgeben zu wollen. Es geht dabei um die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN. Diese Non-Profit-Organisation verwaltet die Domain-Endungen im Web, von .de und .com bis hin zu neuen Endungen wie .jetzt oder .kaufen. Sie stand seit der Gründung 1998 unter der Schirmherrschaft des US-Handelsministeriums.

Wegen dieser Abhängigkeit durfte die ICANN auch nicht eigenmächtig gravierende Änderungen an den Top-Level-Domains vornehmen, sondern musste die US-Telekommunikationsbehörde NTIA um eine Freigabe bitten. Mitte März kündigte die US-Regierung an, dass sie diese Rolle bis Herbst 2015 aufgeben werde.

Brasilien als Vorreiter für Internet-Sicherheit

Die bisherige US-Dominanz hat viele Internet-Nationen schon länger gestört. Doch ein Vorstoß Russlands und Chinas für stärkeren staatlichen Einfluss erschien vor allem der Internet-Wirtschaft als noch schlechtere Alternative und wurde 2012 abgewehrt. Nach den Snowden-Enthüllungen forderte jüngst auch die EU-Kommission eine Neuordnung der ICANN-Aufsicht. Die US-Regierung betonte jetzt, es sei von Beginn an geplant gewesen, dass ihre Aufseherrolle zeitlich befristet sein werde.

In Brasilien soll nun darüber nachgedacht werden, wer künftig die Internet-Verwaltung beaufsichtigt. "Wie stellt man sicher, dass die ICANN sich an ihre eigenen Regeln hält?", fragte die Wissenschaftlerin Jeanette Hofmann kürzlich während einer Diskussionsrunde in Berlin. Mehrere Wege seien denkbar: Entweder die Organisation beaufsichtigt sich selbst. Oder eine Gruppe anderer Organisationen übernimmt diesen Job, sagte Hofmann. Auch bei der ICANN stellt man sich auf einen langen Prozess ein. "Es ist kompliziert, so viele verschiedene Positionen zusammenzubringen", sagt der europäische ICANN-Vertreter Nigel Hickson.

Die Konferenz in São Paulo soll der Ausgangspunkt einer Debatte werden in einer Zeit, in der Brasiliens Präsidentin Rousseff ihr Land als Vorreiter für Internet-Sicherheit positioniert. Das brasilianische Parlament beschloss jetzt endgültig ein neues Gesetz, durch das gewährleisten werden soll, dass die Daten von Internetnutzern vor Spionage und Missbrauch geschützt werden. Die brasilianische Regierung hatte sich nach dem Spähskandal um den US-Geheimdienst NSA zur Ausarbeitung des neuen Gesetzes entschlossen.