Screenshot der Satire-Website google-nest.org © Screenshot ZEIT ONLINE

Über den gelungenen Google-Hoax wurde auf der re:publica noch am Tag danach geredet: Die Aktionskünstler vom Peng! Collective hatten am Mittwoch eine Website mit vier erfundenen und absurden Google-Produkten ins Netz gestellt, eingeweihte Politiker und Bürgerrechtler reagierten mit gespielter Empörung. Am Nachmittag stellten sich auf der größten Bühne der Konferenz zwei Schauspieler als Paul von Ribbeck und Gloria Spindle von Google vor und präsentierten die neuen Produkte. Selbst erfahrene Netzaktivisten wie Eric King, Forschungschef von Privacy International, glaubten lange, das alles sei echt.

Google selbst reagierte zunächst gelassen und beließ es bei ein paar Hinweisen auf Twitter, dass es sich um Satire handele. Doch die liebevoll im Google-Stil gestaltete Website will das Unternehmen so nicht akzeptieren.

In einer freundlichen, aber unmissverständlichen E-Mail an die Künstler schreibt das Google Trademark Team: "Bitte verstehen Sie, dass wir kein Problem mit dem Konzept von Parodien oder Kritik haben. In diesem Fall aber sind wir besorgt, (...) dass Nutzer in die Irre geführt werden könnten, was die Herkunft und das Ziel Ihrer Aktion angeht."

Google bemängelt erstens das Fehlen eines Disclaimers, zweitens die Links auf echte Google-Angebote, drittens das Kopieren seines "Look-and-feel" inklusive Markenzeichen, Schriftarten und Layout, viertens die gefälschten Inhaber-Informationen über die Domain google-nest.org und fünftens, dass sich die beiden Künstler als echte Google-Mitarbeiter ausgeben.

"Als Inhaber von Markenrechten können wir anderen nicht erlauben, unsere Markenzeichen so zu benutzen, dass es unsere Kunden verwirren könnte", heißt es in der Mail. Deshalb fordert Google das Peng! Collective – sehr höflich – auf, die Website bis spätestens Montagabend als Parodie zu kennzeichnen. Die Künstler sollen zudem klarstellen, dass Google nichts mit der Website und den dort vorgestellten Produkten zu tun hat, Links auf echte Google-Produkte sollen entfernt werden.

Außerdem sollen sie die Domain so schnell wie möglich an Google übertragen, damit solche Späße mit der Domain in Zukunft nicht mehr möglich sind. Das Unternehmen würde sogar die Registrierungskosten von bis zu 100 US-Dollar übernehmen.

Und schließlich sollen "Paul von Ribbeck" und "Gloria Spindle", die eigentlich Jean Peters und Faith Bosworth heißen, damit aufhören, sich als Google-Mitarbeiter auszugeben. Humorlos finden das manche, die die ganze Aktion verfolgt haben. Aber vermutlich hätten die meisten Unternehmen ähnlich reagiert.

Zumindest einen Wunsch haben die beiden Schauspieler umgehend erfüllt. Noch auf der re:publica drehten sie ein Video, in dem sie erklären, zu kündigen und nicht länger für Google zu arbeiten. Sie bitten ihre Zuschauer in dem Video aber auch um Hilfe: "Das Nest sollte überleben", sagt von Ribbeck alias Jean Peters.

Wie das aussehen könnte, verriet der ebenfalls früh eingeweihte Hacker, Aktivist und Journalist Jacob Appelbaum: "Spiegelt diese Website", schrieb er auf Twitter. Es dauerte dann nicht lange, bis jemand eine erste Kopie der Google-Nest-Website anfertigte. Einen direkten Link darauf findet man über Google allerdings ebenso wenig wie den auf die Ursprungsseite. Bei anderen Suchmaschinen steht zumindest der Link auf das Original ganz oben.

Update: Mittlerweile zeigt auch die Google-Suchmaschine den direkten Link auf google-nest.org. Die Platzierung ist vom genauen Suchbegriff und von individuellen Einstellungen abhängig.