Zum ersten Mal seit dem ersten persönlichen Kontakt in Hongkong im Juni vergangenen Jahres hat der US-Journalist Glenn Greenwald den Whistleblower Edward Snowden getroffen. Am Donnerstag besuchten Greenwald und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras Snowden in Moskau. Das erzählte Greenwald auf einer ZEIT-Veranstaltung zur Vorstellung seines Buches in Hamburg. Im Laufe des Tages hatte Greenwalds Lebenspartner David Miranda bereits Bilder des Treffens auf Facebook gepostet.

"Edward Snowden geht es erstaunlich gut und er ist sehr glücklich", sagte Greenwald. Noch vor einem Jahr sei es unwahrscheinlich gewesen, dass Snowden nicht in einem amerikanischen Gefängnis landete. Inzwischen würde er sogar größtenteils unerkannt durch Moskau schlendern. "Er sieht dabei aus wie ein Austauschschüler aus Idaho", witzelte Greenwald.

Vor allem sei Snowden froh darüber, dass er weiterhin an der Debatte teilnehmen kann, die er mit seiner Aktion auslöste. Am 5. Juni vergangenen Jahres veröffentlichte Glenn Greenwald im britischen Guardian die erste Enthüllungsgeschichte über den US-Geheimdienst NSA. Die geheimen Dokumente hatte er wenige Tage zuvor von Edward Snowden in Hongkong überreicht bekommen. Wie Greenwald in seinem Buch Die globale Überwachung schreibt, hatten er und Snowden bis zu ihrem Treffen nur über verschlüsselte Chats Kontakt.

Für Greenwald ist es denkbar, dass Snowden noch längere Zeit in Moskau bleiben könnte. Zwar läuft Snowdens Visum im August ab, die russische Regierung hatte aber bereits angedeutet es verlängern zu wollen. Ob Snowden Russland eines Tages verlassen könnte, hängt nach Greenwalds Ansicht auch an Ländern wie Brasilien oder Deutschland.

Scheindiskussion um Snowden-Befragung

In Deutschland hatten die Abgeordneten des NSA-Untersuchungsausschusses Anfang Mai dafür gestimmt, Edward Snowden als Zeuge zu befragen. Allerdings gibt es unter den Vertretern von Opposition und Regierungsparteien noch Unklarheiten darüber, wo die Befragung stattfinden soll. Grüne und die Linke möchten Snowden gerne in den Bundestag laden. CDU und SPD lehnen das aus diplomatischen Gründen ab.

Für Greenwald ist das ohnehin nur Scheindiskussion. "Ich glaube, dass einige Abgeordnete gar nicht scharf darauf sind,  Edward Snowden nur wenige Meter weiter im Raum sitzen zu haben anstatt ihn auf einer Videoleinwand zu sehen", sagt Greenwald.  Für ihn sei eine Befragung vor Ort die bessere Wahl. Im Interview mit ZEIT ONLINE gab Greenwald vor einigen Wochen an, dass er an Snowdens Stelle vor dem Ausschuss aussagen würde.

Doch für Greenwald ist die entscheidende Frage nicht, ob Snowden vor Ort aussagen müsse, sondern ob die Bundesregierung ihrerseits Verantwortung übernehmen möchte. "Die Frage ist, ob Snowden überhaupt einer Regierung helfen möchte, die nicht bereit ist, seine Grundrechte zu wahren", sagte Greenwald in Hamburg.

Überwachung - NSA-Enthüller Glenn Greenwald im Gespräch

Gestörte Diplomatie als Erfolg der Enthüllungen

Nur durch das persönliche Risiko, das Snowden auf sich genommen hat, hätten die deutsche Bevölkerung und Wirtschaft überhaupt erst über die Eingriffe in die Privatsphäre und Grundrechte erfahren. Entscheidend sei nun, ob die deutsche Regierung das gleiche Opfer für Edward Snowden bringen möchte; ob sie die diplomatischen Beziehungen mit den USA zumindest ein Stück weit riskieren könne, um Edward Snowden Asyl zu geben.

Nicht zuletzt sieht Greenwald das gestörte diplomatische Verhältnis zwischen den USA und ihren wichtigen Partnern wie Deutschland als "ein positives Ergebnis der Enthüllungen." Die Ansicht eines Teilnehmers im Publikum, dass sich in den vergangenen zwölf Monaten nichts geändert habe, wies Greenwald vehement zurück. "Ich denke nicht, dass die Menschen bei diesem Thema inzwischen innerlich abschalten", sagte Greenwald, "letztlich geht es nicht um die Frage nach Überwachung, sondern was es heißt, ein freier Mensch zu sein."