Eigentlich wollen sie ihn nur singen hören. Erst sehen, dann singen hören. David Hasselhoff ist auf der Netzkonferenz re:publica und kaum einer im Publikum glaubt, dass er etwas sagen wird, was all die Internetexperten und Blogger im Saal überraschen könnte. Da steht er nun, es ist die Bühne im größten Saal auf der Konferenz. Der Saal ist gut gefüllt, voll ist er nicht.

I've been looking for freedom – I've been looking so long

Eine Keynote über Freiheit und Privatsphäre im Internet soll es sein. Massenüberwachung, Schutz der Privatsphäre, digitale Strafverfolgung. Ein seltsamer Reflex, dass David Hasselhoff auftaucht, wenn es um Frieden und Freiheit geht. Als wäre er Experte, nur weil er Ende der 80er ein Lied gesungen hat, in dem das Wort freedom vorkommt, gerade rechtzeitig zum Mauerfall. Ob Freiheit in einem politischen System oder Freiheit im Netz, Hauptsache Hasselhoff.

Datenschutz - David Hasselhoff gibt auf re:publica den Weltverbesserer Er hat an der Berliner Mauer die Freiheit besungen und sich gegen den Abriss der East Side Gallery eingesetzt. Jetzt tritt David Hasselhoff auch noch für den Schutz der digitalen Privatsphäre ein.

Nach der Veranstaltung wurde ein "Manifest der digitalen Freiheit" gestartet, ein Crowd-Sourcing-Projekt als Wiki-Dokument, in dem jeder all das hineinschreiben kann, was ihm wichtig ist zum Thema Freiheit im Netz. Das Dokument ist bis Ende Juni offen, soll dann überarbeitet und an die politischen Entscheidungsträger verschickt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama, Russlands Präsident Wladimir Putin, die Europäische Kommission. Deshalb ist David Hasselhoff hier.   

Er kam nicht, weil ihn die re:publica eingeladen hatte. Er kam, weil die finnische Sicherheitsfirma F-Secure dachte, Hasselhoff würde als Werbefigur für das Crowd-Sourcing-Projekt gut funktionieren. Und er sieht ja auch gut aus, mit den blauen Augen, dem schicken Anzug und dem rotem Einstecktuch. Einen Titel hat der Sänger-Schrägstrich-Schauspieler dafür auch noch bekommen: "Freedom-Ambassador", Freiheitsbotschafter also.

I've been looking for freedom – Still the search goes on

Mit den Veranstaltern abgesprochen sei das nicht gewesen, sagt Johnny Haeusler, einer der Gründer der re:publica. Er hat es über Twitter erfahren – und sei schon ziemlich überrascht gewesen. Aber die Resonanz sei so groß gewesen, so positiv auch, dass er dachte: Vielleicht ist Hasselhoff ja genau der Richtige, um das Thema in eine breite Öffentlichkeit zu tragen.

Eine Keynote ist es dann nicht, dort oben auf der Bühne. Sondern ein einstudierter Dialog zwischen dem Sicherheitsexperten Mikko Hyppönen von F-Secure und dem Weltstar. Langweilig nur, dass er genau das Gleiche wenige Stunden zuvor – nahezu wortgleich – auf der Pressekonferenz gesagt hatte.

Hasselhoff erzählt von seinem ersten Besuch in Berlin (1987, er wollte einen Plattenvertrag mit BMG), von seiner ersten Begegnung mit der Mauer (er war geschockt) und von seinem Gefühl, den Menschen helfen zu wollen, die keine Freiheit kennen (eine Leidenschaft von ihm, auch heute noch). Er erzählt auch von seinem Leben als Prominenter, der Privatsphäre, die er eigentlich nur zu Hause hat.

Hyppönen referiert über die Gefahren des Netzes für die Privatsphäre, und darüber, dass heutzutage nahezu alles möglich ist, wenn es um den Datenklau geht. Nichts, was die Zuhörer nicht schon seit Jahren wüssten.

I've been looking for freedom – Since I left my home town

F-Secure hat versprochen, die Veranstaltung sei mehr als eine Keynote. Sie sei eine Diskussion, die das Thema digitale Freiheit auf ein neues Level heben werde. Dieses Versprechen erfüllt sich an dem Nachmittag nicht. Als PR-Aktion hat das Gespräch auf der Bühne allemal funktioniert: F-Secure hat eine neues Produkt, eine Anonymitäts-App, die – wie könnte es auch anders sein – auch Freedome heißt. Mit ihr soll die Kommunikation auf dem Smartphone verschlüsselt werden, der Handynutzer unauffindbar sein. 

Wenn man David Hasselhoff damit in Verbindung brächte, das wär doch was.

Am Ende gibt es zwei Fragen aus dem Publikum. Eine handelt vom ewigen Leben in Zeiten des Internets (Hasselhoff findet die Vorstellung, im Netz unsterblich zu sein, ziemlich cool). Die andere ist die verbalisierte Form dessen, was sich hier ohnehin jeder denkt: Kann nicht David Hasselhoff endlich sein Lied singen? Das von damals, 1989. Aus der Zeit, über die er so gern spricht, weil er irgendwie dort stehengeblieben ist.

Hasselhoff ziert sich, sein Mikrofon ist für einen Moment ohne Ton, als hätten die Veranstalter kein Interesse daran, dass er tatsächlich singt. Das Thema sei zu wichtig, als dass nur dieses Lied davon übrig bliebe. Sagt er – und singt dann doch.

I've been looking for freedom – Still it can't be found

Und aus freedom hat David Hasselhoff ganz schnell noch "digital freedom" gemacht. Verrückt.