Als Franziska Paulus ein paar Freundinnen beim Turnen zum ersten Mal von ihrem anderen Hobby erzählte, guckten die verständnislos. "Du programmierst? Das ist doch total langweilig." Das findet die 17-Jährige nicht. Ihr macht es Spaß, logisch zu denken, Neues zu entwickeln. Wo andere unverständliche Zeichenabfolgen sehen, entstehen in ihrem Kopf Bilder.


Franziska hat Glück. Sie geht auf ein Gymnasium mit einem Schwerpunkt auf Mathematik und Naturwissenschaften, an dem ihre Lehrer sie unterstützen. Seit der achten Klasse besucht sie den Informatikunterricht.

An anderen Schulen sei das anders, sagt die Politikwissenschaftlerin Maria Schröder auf der Berliner re:publica. Da schwanke die Qualität des Informatikunterrichts zwischen hervorragend bis nicht vorhanden. Es machen also immer noch viele Leute Abitur, ohne sich jemals mit HTML oder Programmiersprachen auseinandergesetzt zu haben. Facebook benutzen zwar viele Jugendliche, aber was Programmieren betrifft, sind die meisten von ihnen Analphabeten.

"Eltern, die erkennen, das ihr Kind gerne programmiert, werden in Deutschland oft hilflos zurückgelassen", sagt Maria Schröder. "Sie sind verunsichert, weil ihr Kind etwas kann, dass sie selbst nicht nachvollziehen können." Kinderzimmerprogrammierer nennt Schröder Jugendliche, die sich in ihrer Freizeit freiwillig mit Informatik beschäftigen. Jugendliche wie Franziska Paulus, die nach Meinung von Schröder noch zu wenig unterstützt werden. Deshalb hat sie mit der Open Knowledge Foundation Deutschland im vergangenen Jahr das Projekt Jugend hackt initiiert. Dort kommen Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn zusammen, um gemeinsam zu programmieren, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern.

Kaum Angebote in Deutschland

Das Interesse war größer als erwartet und erhofft. Nach fünf Wochen hatten sich immerhin 50 Jugendliche über die Jugend- hackt-Seite angemeldet. Das liegt laut Schröder auch daran, dass es in Deutschland kaum Angebote für Jugendliche gibt, die sich mit Software-Entwicklung beschäftigen. Bislang werden vor allem Hardware-Kurse, zum Beispiel für Robotik gefördert, oder aber Talentwettbewerbe. Wer selbst etwas entwickeln will und schon über gute Fähigkeiten verfügt, wie Franziska, wird oft im Kinderzimmer alleine gelassen. "Und das, obwohl die Gesellschaft andererseits extrem viel von Programmierern erwartet", erklärt Maria Schröder.

Die Teenager bei Jugend hackt sollen sich im Team neue Kenntnisse aneignen. Aber genauso wichtig sei es zu lernen, dass sie ihre technischen Fähigkeiten auch nutzen können, um etwas Positives zu bewirken, sagt Schröder. Denn "sie haben die Macht, unsere Gesellschaft zu verändern."

An dem Camp, das letztes Jahr erstmals in Berlin junge Programmierer zusammenbrachte, hat Franziska teilgenommen. Aus ganz Deutschland reisten  Talente an. Maria Schröder ermutigte sie dazu, eigene Projekte auf der Grundlage von offenen Daten zu entwickeln. Franziska war aufgeregt: Mit Leuten zusammen zu arbeiten, die man nicht kennt, kann merkwürdig sein.