So ungefähr wird der hitchBot aussehen, wenn er am 27. Juli seine Reise beginnt. © McMaster University

Er wird so aussehen wie eine Mischung aus R2-D2 und einem Mülleimer von Ikea – und er soll ab Ende Juli per Anhalter von der kanadischen Ostküste an die Westküste fahren: Der hitchBot ist Roboter, Kunstwerk und soziales Experiment.

"Normalerweise fragen wir uns, ob wir Robotern vertrauen können", sagt Frauke Zeller von der Ryerson University in Toronto. "Dieses Projekt dreht die Frage um: Können Roboter den Menschen vertrauen?"

Die gebürtige Berlinerin ist Professorin für Kommunikationswissenschaft und hat den hitchBot mitentwickelt. Die 39-Jährige, ihr Kollege David Harris Smith von der McMaster University in Hamilton, Ontario, und ihr Team haben mehrere Ziele: "Erstens ist es ein Kunstprojekt in the wild", sagt Zeller im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Wir schicken den hitchBot einfach los und hoffen, dadurch neue Diskussionen stimulieren zu können, über Roboter, über Menschen und Technik, über Kanada und über Vertrauen. Zweitens wollen wir etwas über Mensch-Roboter-Interaktion herausfinden. Die findet normalerweise direkt zwischen Mensch und Maschine statt. Aber weil er jetzt schon Tausende von Followern in den sozialen Netzwerken hat, wollen wir auch wissen, wie die aus der Ferne mit dem Roboter umgehen."

Drittens sei der hitchBot ein Geschichtensammler: "Wir wollen die Menschen animieren, ihre eigenen Anhalter-Erlebnisse auf unserer Website zu schildern", sagt Zeller. "Und auch die Autofahrer können ihm ihre Geschichten erzählen, er speichert sie dann, mit ihrem ausdrücklichen Einverständnis. Wir achten aber sehr darauf, dass es nicht wie ein Versuch zur Überwachung aussieht." Der Roboter werde also nicht einfach ungefragt alles aufzeichnen, was die Fahrzeuginsassen sagen. Und live mithören können die Entwickler schon gar nicht.

Am 27. Juli wird der hitchBot an einer Straße in Halifax stehen. Sein Ziel ist die Stadt Victoria auf Vancouver Island. Mehr als 4.000 Meilen liegen zwischen diesen beiden Städten.

Der hitchBot ist auf sehr viel Hilfsbereitschaft angewiesen. Wichtig ist deshalb zunächst, wie er aussieht. Frauke Zeller und ihre Kollegen wissen, dass Roboter nicht zu groß und einem Menschen nicht zu ähnlich sein dürfen, wenn sie akzeptiert werden sollen. Deshalb ist der hitchBot etwa so groß wie ein sechsjähriges Kind und hat nur einige grob menschenähnliche Züge: Sein LED-Display wird eine Art Gesicht darstellen, seine Arme sind Schwimmnudeln. Und er wird eine Hand mit einem Daumen haben und winken, wie ein ganz normaler Anhalter. 

Seine Beine stecken in Gummistiefeln, aber laufen kann er nicht. Er muss auf jemanden warten, der ihn in sein Fahrzeug hievt. Was die Menschen mit ihm tun sollen, wird er auf seinem Display unmissverständlich anzeigen.

Im Auto wird er zunächst darum bitten, ihn an den Zigarettenanzünder anzuschließen, um seine Batterie aufzuladen. Und dann wird er fröhlich weiterquasseln, sofern seine Chauffeure ihm die Gelegenheit dazu geben. Der hitchBot hat eine Spracherkennungssoftware und eine Schnittstelle zur Wikipedia. Im besten Fall versteht er, wenn jemand im Auto über Eishockey oder Politik redet – und gibt dann sein Wikipedia-Wissen zum Besten. Wer ihn so charmant findet, dass er ihn mit nach Hause nehmen will, darf das tun. Für eine Übernachtung oder eine Party darf er seine Reise jederzeit unterbrechen.

Angst vor Vandalen, Unfällen und Elchen

Der hitchBot kann sich per Mobilfunk oder WLAN mit dem Internet verbinden, und er hat ein GPS-Modul, mit dem er sich orientieren und seinen weiteren Weg planen kann.

Auf der langen Reise kann aber auch vieles schief gehen: "Im schlimmsten Fall wird er zerstört", sagt Zeller, "oder von einem riesigen Elch zertrampelt oder einfach überfahren." Seine Erfinder sind dann möglicherweise Tausende Kilometer entfernt und können ihm nicht helfen. Sie sehen, wo er sich befindet und ob er sich bewegt. Und sie verfolgen seine Social-Media-Accounts.