Ikeahack: Zeitschriftenhalter Knuff plus Stuhl Frosta plus Korb Nasum gleich Kaffeetisch

ZEIT ONLINE: Was ist  Ikeahackers.net?

Jules Yap: Die Seite gibt es seit Mitte 2006. Sie zeigt modifizierte Ikea-Möbel, wir nennen sie Hacks. Bisher habe ich rund 4.000 solcher Hacks von ebenso vielen Menschen gesammelt. Ich betreibe die werbefinanzierte Seite als Vollzeit-Bloggerin.

ZEIT ONLINE: Acht Jahre nach dem Start der Seite hat Ikea Ihnen nun eine Unterlassungsanordnung geschickt. Woran stört sich das schwedische Möbel-Unternehmen?

Yap: Die Anordnung habe ich im März bekommen. Ikea sagt, ich habe ohne Einverständnis des Unternehmens eine Domain registriert, die das Ikea-Markenzeichen beinhaltet. Damit würde ich das Markenzeichen auf unfaire Weise für meine eigenen kommerziellen Zwecke nutzen.

ZEIT ONLINE: Und geht es in der Auseinandersetzung einzig und allein um die Domain Ikeahackers.net?

Yap: Es geht auch um den Titel der Seite.

ZEIT ONLINE: Ikeahackers ist eine Seite von und für Ikea-Fans. Sie bringt dem Unternehmen wahrscheinlich sogar indirekt mehr Geld ein, weil Ihre Nutzer sehen, was man aus Ikea-Möbeln noch alles machen kann. Wovor genau hat Ikea Angst?

Yap: Das verstehe ich auch nicht. Vielleicht hat Ikea einfach nur ein Problem damit, dass ich mit dem Namen des Unternehmens ein paar Dollar verdiene. Aus der Unterlassungsanordnung geht aber auch hervor, dass Ikea eine Verwechslung befürchtet. Dass meine Seite den Eindruck erweckt, offiziell mit Ikea verbunden zu sein, was sie nicht ist. Aber wenn das alles ist, hätte Ikea mir einfach schreiben können "Hey, deine Seite sieht zu sehr wie unsere aus. Kannst du andere Farben als gelb und blau nehmen?"

ZEIT ONLINE: Haben Sie selbst versucht, mit den Ikea-Leuten zu sprechen?

Yap: Ich habe die Vertreter von Inter Ikea Systems B.V., die mich kontaktiert haben, gefragt, wer ein geeigneter Ansprechpartner sei. Ihre Antwort war, das seien sie selbst. Also habe ich nur mit ihnen verhandelt. Ikea ist eine sehr große Organisation. Ich wüsste nicht einmal, wo ich anfangen soll, nach dem richtigen Ansprechpartner zu suchen. Es ist ja nicht so, dass ich einfach Ingvar anrufen kann. [Anm. der Redaktion: Ingvar Kamprad, Gründer von Ikea]

ZEIT ONLINE: Das Ergebnis der Verhandlungen lautet: Sie dürften die Domain nur behalten, wenn Sie die Seite nicht-kommerziell betrieben, also ohne Werbeeinnahmen. Bis zum 23. Juni müssen alle Anzeigen von der Seite verschwinden. Was werden Sie tun?

Yap: Ich suche eine neue Domain und einen neuen Titel für die Seite, denn das Ikea-Markenzeichen darf ich nicht mehr verwenden.

ZEIT ONLINE: Glauben sie nicht, dass sie einen Rechtsstreit gewinnen würden? Meinungs– beziehungsweise Redefreiheit ist ein höheres Gut als Markenrecht, weshalb Domains wie beispielsweiseunternehmensname-kritik.net völlig legal sind.

Käsereibe-Lampe, die Idee des Ikeahackers K McF

Yap: Ich bin nicht sicher, wer vor Gericht gewinnen würde. Aber so weit will ich auch gar nicht gehen. Ich will nicht, dass eine Gruppe von Menschen, die ich nicht kenne, über das Schicksal meiner Domain entscheidet. Lieber nehme ich die Dinge selbst in die Hand und entscheide, wie es weitergeht.

ZEIT ONLINE: Wäre Crowdfunding vielleicht eine Alternative, um Geld für den Betrieb der Seite einzusammeln, so wie sie jetzt ist?

Yap: Ich habe mich mit Crowdfunding noch nicht auseinandergesetzt und bin nicht sicher, welche Folgen das hätte.

ZEIT ONLINE: Sind Sie von Ikea enttäuscht oder haben Sie ohnehin damit gerechnet, dass so etwas früher oder später passieren könnte?

Yap: Klar bin ich enttäuscht. Ich finde, die Ikea-Leute hätten mich einfach kontaktieren können, wenn sie ein Problem damit haben, dass ich Schriftart und Farben ihres Logos verwende. Das hätten wir alles schnell regeln können. Und warum jetzt? Wenn es um ihr Markenzeichen geht, hätten sie sich schon viel früher melden können. Aber vor allem bin ich enttäuscht, dass Ikea die Arbeit seiner Fans kaum ernst nimmt. Nicht nur meine, sondern die aller Bastler, die zu Ikeahackers beigetragen haben.