"Bevor Sie ein Feuer machen, lockern Sie zuerst die Schrauben G und N, die bei den zwei kleineren Dampfkesseln und bei den Löchern L. Den großen Dampfkessel zu zwei Drittel mit Wasser befüllen und D, den kleinen Dampfkessel, gut füllen. Ziehen Sie dann die genannten Schrauben so fest wie nur irgend möglich. Dann entzünden sie das Feuer bei B."

So beginnt die Bedienungsanleitung des Miner's Friend, der ersten Dampfmaschine aus dem Jahre 1698. Es folgen auf sieben Seiten detaillierte Instruktionen und Kniffe, wie die Maschine zu justieren ist. Der Inhalt dieses dokumentierten Mensch-Maschine-Gesprächs ist einfach, es sind im Wesentlichen vier Befehle: Geh an! Geh aus! Gib mehr Kraft! Gib weniger Kraft!

Für vier Befehle sind sieben Seiten viel Papier. Heute sind Maschinen zwar weit komplexer als die Miner's Friend. Mit den meisten von ihnen kommuniziert der Mensch dennoch weiter per Hand: durch tippen, drücken, doppelklicken, scrollen und streichen.

Das mobile Internet hat die Mensch-Maschinen-Sprache verändert

Aber das Mensch-Maschine-Vokabular wächst zur Zeit gewaltig. Die Entwicklung begann nicht zuletzt in Cupertino, Kalifornien, am Sitz von Apple. Im Juli 2004 beantragten die Entwickler dort ein Patent für Multi-Touch-Gesten. Das sind Gesten, bei denen der Nutzer mehrere Finger benutzt, um Befehle auf einem Touchscreen auszuführen.

Apple entwarf in dieser Zeit die ersten iPhones. Die sollten einen Touchscreen, also ein berührungsempfindliches Display, bekommen. Üblich waren bis dato eine Nummerntastatur und ein paar Menütasten, um ein Handy zu steuern. Gleichzeitig war und ist das iPhone nicht nur ein Mobiltelefon, sondern ein Computer. Mit anderen Worten: Auch ohne Tasten musste es irgendwie die Funktionalität eines normalen Heim-PCs mit Tastatur und Maus bieten.

Multi-Touch-Gesten sind inzwischen pipieinfach

Noch recht naheliegend war es, die Tastatur einfach auf das Display zu übertragen. Das ermöglichte Tippen ohne echte Tasten. Als Maus-Ersatz entwickelte Apple die Fingergesten für den Touchscreen. Inzwischen gibt es für nahezu jeden Befehl eine entsprechende Multi-Touch-Geste. Die grundlegenden Gesten von Apple sind mittlerweile Quasi-Standards bei der Bedienung jedes mobilen Geräts. Schon Kleinkinder erlernen sie schnell. Sie wischen mit ihren Fingern zwischen den Bildschirmfenstern oder zoomen in eine Karte, indem sie die Finger auseinanderspreizen.

Multi-Touch-Gesten sind aber erst der Anfang. Und es ist noch immer eine manuelle Eingabemethode, nur abstrakter als das Festziehen der Schrauben einer Dampfmaschine. Eine neue Ebene der Befehlseingabe kam mit der verbalen Kommunikation hinzu. Nutzer können Smartphones heute regelmäßig mit Sprach-Assistenten wie Apples Siri oder Microsofts Cortana bedienen. Der nächste Schritt wird mit Robotern kommen.