Die NSA arbeitet nach Angaben des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden an einem Programm zur automatischen Abwehr von Angriffen über das Internet. Das System mit dem Namen MonsterMind solle "sofort und automatisch ausländische Cyberangriffe gegen die USA neutralisieren", berichtete das Magazin Wired.

In dem Bericht wird das Programm als digitale Version der sogenannten Star-Wars-Initiative aus den achtziger Jahren beschrieben, mit dem Präsident Ronald Reagan Atomraketen abfangen lassen wollte. Eine Sprecherin des Geheimdienstes wollte den Bericht nicht kommentieren.

Snowden zufolge könnte MonsterMind eines Tages so aufgerüstet werden, dass es automatisch – also ohne menschlichen Befehl – zurückschlägt. Welche Form das annehmen könnte, sagte er dem Magazin zufolge nicht. Da in vielen Fällen der Ursprung eines Cyberangriffes verschleiert werde, könnte ein solcher Gegenschlag Unschuldige treffen und sogar einen Krieg auslösen, warnte Snwoden. MonsterMind sei eine große Gefahr für die Privatsphäre, weil alle Datenströme erfasst werden müssten – "von jedem, jederzeit". Damit würde das Programm auch gegen die US-Verfassung verstoßen.

Snowden hatte im Juni 2013 in Hongkong mit der Enthüllung der Geheimdienstprogramme zur Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation weltweit Schlagzeilen gemacht. Er floh erst nach Hongkong und erhielt schließlich in Russland eine einjährige Aufenthaltserlaubnis. Da sich kein anderes Land bereit erklärte, den 31-Jährigen aufzunehmen, wurde Anfang August seine Aufenthaltsgenehmigung verlängert.

Clapper löste Snowdens Enthüllungen aus

Mit Wired sprach Snowden über mehrere Tage in Moskau. Er sagte dem Magazin, dass er sich zur Enthüllung der US-Überwachungsprogramme entschlossen habe, nachdem er unehrliche Äußerungen des nationalen Geheimdienstkoordinators James Clapper gehört hatte. Clapper habe im März 2013 bei einer Senatsanhörung gesagt, dass der US-Geheimdienst NSA "nicht bewusst" Informationen zu Millionen von US-Bürgern sammele. "Könnt Ihr das fassen?", habe er am nächsten Tag seine Kollegen gefragt, doch seien diese nicht schockiert gewesen. 

Snowden sagte, er sei bereits seit Jahren über die NSA-Aktivitäten beunruhigt gewesen. Er habe sich jedoch entschlossen, mit den Enthüllungen zu warten, nachdem Präsident Barack Obama gewählt worden war. Doch habe er mit der Zeit die Hoffnung auf Besserung verloren. Beunruhigt hätten ihn etwa die Bemühungen der NSA, mit einem neuen Datenspeicher im Bundesstaat Utah die Sammlung persönlicher Daten massiv auszuweiten.

Zudem habe ihn schockiert, dass die NSA kontrollierte, ob radikale Politiker Pornografie anschauen, um dies dann gegen sie zu verwenden. "Dies ist ähnlich wie das FBI, das Martin Luther Kings Untreue in der Ehe zu benutzen versuchte, um ihn dazu zu bringen, sich das Leben zu nehmen", sagte Snowden. "Wir haben gesagt, solche Dinge waren unangebracht in den sechzigern. Warum machen wir das heute?"