Das DFB-Pokalspiel zwischen Chemnitz und Mainz am vergangenen Freitag war ein Spektakel: Mit 5:5 ging es ins Elfmeterschießen und das nur, weil der Mainzer Spieler Johannes Geis aus 50 Metern Torentfernung in der letzten Minute den Ausgleich erzielte. Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs war, konnte das Tor auch ohne Sky-Abo bestaunen. Abgefilmt aus dem Fernsehen, gab es den Treffer wenig später auf der Kurzvideoplattform Vine zu sehen. Beeindruckend ist die Bildqualität nicht gerade, aber gut genug für die meisten Fans, um mitreden zu können.

Aktionen wie diese gefallen den Verantwortlichen der europäischen Fußballligen und Verbände gar nicht. Zum Start der neuen Premier-League-Saison kündigte der englische Veranstalter am Wochenende an, künftig stärker gegen Vines, animierte Gifs und YouTube-Videos von Spielszenen vorgehen zu wollen. Wie ein Liga-Sprecher der BBC mitteilte, arbeite man bereits an Gif-Crawlern, Vine-Crawlern und gemeinsam mit Twitter an einer Lösung, um das eigene "geistige Eigentum" zu schützen. Auch die deutsche Bundesliga hatte im April zwei Jugendliche davor gewarnt, Spielszenen auf Twitter zu verbreiten und sprach von "digitaler Piraterie".

Natürlich geht es dabei ums Geld. Keine andere Fußballliga kassiert so viel für die TV-Übertragungen wie die Premier League. 3,7 Milliarden Euro gaben die Sender Sky und BT Sport vergangenes Jahr für die kommenden drei Spielzeiten aus. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem Ausland. In der Bundesliga sind die aktuellen Übertragunsgrechte insgesamt mit 2,5 Milliarden über fünf Spielzeiten dotiert.

Wer solche Summen zahlt, möchte nicht, dass im Internet die gleichen Bewegtbilder verfügbar sind, im schlimmsten Fall noch kostenlos. In der Vergangenheit stritten die Pay-TV-Sender sowohl mit Anbietern von digitalen Angeboten als auch den Öffentlich-Rechtlichen, wer zu welchem Zeitpunkt was zeigen darf. Die Fußballfans im Netz scheren sich freilich nicht um Verträge und stellen fleißig die besten Tore und kuriosesten Szenen online.

Fußball boomt auf Vine

Spätestens mit der Weltmeisterschaft in Brasilien ist so ein Trend im Netz entstanden. War in den vergangenen Jahren YouTube die erste Anlaufstelle für Fußballszenen, ist inzwischen Vine immer beliebter. Nicht nur geht der Upload schneller als bei YouTube, die sechs Sekunden, die Vine maximal erlaubt, reichen meist aus, um die Treffer zu zeigen. Durch die direkte Anbindung an Twitter erreichen die Clips meist innerhalb weniger Minuten ein großes Publikum.

Wie das geht, zeigen beliebte Accounts wie Football Vines und Footy Humour. Sie haben jeweils über 500.000 Follower. Jeder einzelne Beitrag wird bis zu 3.000 Mal retweetet – eine Reichweite, von denen selbst die offiziellen Accounts vieler Vereine und Verbände nur träumen können. Dass die Zweit-Aufnahmen meist wackelig sind und flimmern, scheint niemanden zu stören.

Einfluss auf die Netzkultur

Die einzelnen Vines stammen zumeist aus unterschiedlichen Quellen. Der Betreiber eines beliebten Accounts sagte dem Guardian, er und sein Team würden keine eigenen Clips hochladen. Die Aktualität der Inhalte verrät allerdings, dass sie mittlerweile ein ziemlich gutes Netzwerk von Menschen aufgebaut haben müssen, die innerhalb weniger Minuten die interessantesten Szenen aktueller Fußballspiele online stellen. Für die Fußballfans, die das Spiel nicht selbst gucken können, ist das ein Service, den sonst nur kostenpflichtige Apps bieten – und selbst dort dauert es oft länger, bis die Tore als Video erscheinen.

Auf die Netzkultur hat die Verbreitung auf Twitter ebenfalls Einfluss: Dass Szenen wie die Beißattacke von Luis Suárez oder der Flugkopfball von Robin van Persie während der WM so schnell zum Internetphänomen wurden, ist letztlich auch der schnellen Verbreitung der jeweiligen Spielszene auf Twitter zu verdanken.