Weil ein Mann namens Christopher Chaney sich 2012 in die E-Mail-Accounts von Scarlett Johansson und anderen Stars gehackt und ihre privaten Nacktbilder veröffentlicht hatte, wurde er zu zehn Jahren Gefängnis und einer Wiedergutmachung von 66.000 Dollar verurteilt. Der Hacker des E-Mail-Accounts von Sarah Palin bekam immerhin ein Jahr Haft und anschließend drei Jahre auf Bewährung. Jetzt hat ein Hacker um die 100 Stars attackiert und private Bilder aus ihren Accounts kopiert und veröffentlicht. Sollte er erwischt werden, könnte er zu einer hohen Strafe verurteilt werden.

Am Sonntag erschien im Kanal /b/ des Imageboards 4chan eine Liste mit den Namen von Stars wie Jennifer Lawrence, Avril Lavigne, Kim Kardashian, Rihanna, Kirsten Dunst, Aubrey Plaza und Winona Ryder. Er habe von ihnen allen Hunderte Nacktbilder und Videos, behauptete der Nutzer, der die Liste hochgeladen hatte. Kurz darauf erschienen erste Fotos im Netz.

4chan löschte den entsprechenden Post schnell, doch sind die Bilder weiter im Internet unterwegs. Mehrere der Betroffenen haben inzwischen bestätigt, dass sie echt sind und haben die Polizei eingeschaltet.

"Das ist ein abscheulicher Eingriff in die Privatsphäre", schrieb ein Sprecher von Lawrence in einem Statement. "Wir haben die Behörden eingeschaltet und werden jeden belangen, der die gestohlenen Fotos von Jennifer Lawrence postet."

Die genaue Herkunft der Bilder ist unklar. Chaney hatte damals E-Mail-Accounts gehackt, indem er deren Funktion, ein vergessenes Passwort zu ersetzen, ausnutzte. Unbestätigten Berichten zufolge soll der Hack dieses Mal iCloud betreffen, den Datensicherungsdienst von Apple. Das FBI teilte mit, man werde prüfen, wie die Bilder gestohlen und im Internet veröffentlicht worden seien. Details zu den Ermittlungen wurden zunächst nicht genannt.

Eines der Opfer, die Schauspielerin Mary Elizabeth Winstead, twitterte, sie habe die Bilder vor langer Zeit zusammen mit ihrem Ehemann aufgenommen – in der Privatheit ihres Hauses. Sie hoffe, schrieb sie sarkastisch, derjenige, der sie veröffentlicht habe, fühle sich nun großartig:

Winstead twitterte weiter: "Ich habe die Fotos vor langer Zeit gelöscht. Das muss ein unheimlicher Aufwand gewesen sein." Ihr Post nährt die Vermutung, dass es ein Inside-Job ist, also die Daten von jemandem stammen, der in einem der Datenzentren Apples arbeitet.

Apple hatte sich zunächst nicht geäußert, später aber angekündigt prüfen zu wollen, ob bei der Hacker-Attacke der eigene Speicherdienst als Quelle diente. "Wir nehmen die Privatsphäre der Nutzer sehr ernst und untersuchen aktiv diesen Bericht", sagte eine Apple-Sprecherin dem Technologieblog Recode am Montag.

Andere bestreiten, dass die Aufnahmen echt sind. "Diese sogenannten Nacktbilder von mir sind ein Fake", twitterte Victoria Justice.

Beim Imageboard 4chan, dessen Idee es ist, alles Erdenkliche zu posten, zu provozieren und möglichst jedes Tabu zu brechen, stößt der Hack auf Begeisterung. Die Nutzer des Kanals /b/, die sich in Anlehnung an den englischen Ausdruck retard für zurückgeblieben selbst als "b/tards" bezeichnen, interessiert dabei allein der eigene Voyeurismus.

Überall sonst aber überwiegen die Betroffenheit und das Mitgefühl für die Opfer. Wenn auch manchmal erst nach kurzem Nachdenken. Der Klatsch-Blogger Perez Hilton hatte einige der Fotos anfänglich veröffentlicht, sie dann von seinem Blog entfernt. Er entschuldigte sich dafür via Twitter.

Beim Guardian kommentierte Roxanne Gay: Der Leak zeige schmerzlich, dass der eigene Körper noch immer als Waffe gegen Frauen verwendet werden könne. Frauen könnten noch immer nicht frei über ihn entscheiden. Sie könnten ihn nicht einmal ihrem Partner zeigen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Bei Twitter solidarisierten sich viele Nutzer weltweit mit den Opfern. Unter dem Hashtag #ifmyiPhonegothacked zeigen sie peinliche Bilder aus dem eigenen Fotoarchiv. Was jedoch kein Vergleich ist, da sie das freiwillig tun und somit kontrollieren können, was sie veröffentlichen. Die Opfer des Hacks haben diese Chance nicht.

Daher sorgen die Bilder auch für eine Debatte um Datensicherheit. Denn der Leak zeigt natürlich auch folgendes: Die von vielen Unternehmen beworbenen Cloud-Dienste sind keineswegs so sicher, wie die Betreiber gern behaupten.