Das Programmfenster von Tox © Screenshot Tox

Nachrichten-Apps sind beliebt und daran wird sich so schnell nichts ändern. Inzwischen nutzen eine halbe Milliarde Menschen den weltweit populärsten Dienst WhatsApp. 100 Millionen sind es bereits auf Snapchat, das deshalb zehn Milliarden US-Dollar wert sein soll. In den ersten beiden Quartalen des Jahres konnten Dienste wie WhatsApp, Snapchat und das chinesische WeChat je einen Nutzerzuwachs von 15 Prozent verzeichnen.

Dass die meisten Messenger alles andere als sicher sind, scheint die Nutzer offenbar nicht zu stören. WhatsApp gilt als Datenkrake, die Bedenken sind mit der Übernahme durch Facebook nicht weniger geworden. Die Nachrichten beim Dienst Snapchat, die sich nach einigen Sekunden selbst zerstören sollten, tun das nicht immer gründlich, und zwischenzeitlich hat das Unternehmen 4,6 Millionen Nutzerdaten an Hacker verloren. Voice-over-IP-Dienste wie Microsofts Skype gelten nicht erst seit den NSA-Enthüllungen als unbrauchbar, wenn es um sichere Kommunikation geht.

Alternativen gäbe es: Messenger wie beispielsweise Threema, ChatSecure, Hoccer, Hemlis und Whistle bieten verschlüsselte Verbindungen an, und können auch in der Bedienung inzwischen mit den bekannten Diensten mithalten. Mit Protokollen wie Off-the-Record (OTR) lassen sich Chat-Programme wie Pidgin, Miranda oder Adium mit Verschlüsselung aufrüsten. Und Projekte wie Qabel möchten Software-Pakete entwickeln, die Messaging, E-Mail und Kontaktverwaltung vereinen.

Der nächste geplante Skype-Ersatz: Tox

Einen ähnlich ganzheitlichen Ansatz verfolgt das Projekt Tox, das im vergangenen Sommer als Reaktion auf die Enthüllungen von Edward Snowden entstanden ist. Mittlerweile gibt es von der Software Entwicklerversionen für die meisten Betriebssysteme, für iOS steckt das Projekt allerdings noch in einer sehr frühen Alphaphase.

Ein Vorteil von Tox ist, dass es im Gegensatz zu WhatsApp, Skype, aber auch zu den meisten verschlüsselten Messengern ohne zentrale Server auskommt. Dadurch verringern sich nicht nur die Angriffspunkte für Hacker, sondern auch die Abhörmöglichkeiten für die Behörden und Geheimdienste. Die Verbindung zwischen den Nutzern soll stattdessen über eine ähnliche Technik laufen, die auch Bittorrent für Peer-to-Peer-Verbindungen verwendet. Die Entwickler von Bittorrent wiederum arbeiten selbst an einem ähnlichen sicheren Kommunikationsdienst namens Bleep.

Die Verschlüsselung basiert bei Tox auf der offenen Software-Bibliothek NaCl (gesprochen Salz), die in der Kryptoszene anerkannt ist, und unter anderem auch von Threema verwendet wird. Wie ein Sprecher des Projekts dem Online-Magazin Wired mitteilt, sei Tox in erster Linie "ein Protokoll für verschlüsselte Peer-to-Peer Datenverbindungen". Die Entwickler könnten ihre eigenen Anwendungen und Messenger entwickeln. Es soll also nicht ein Tox geben, sondern mehrere Clients, die auf dem Tox-Protokoll basieren. Unter anderem arbeiten einige Entwickler bereits an einem E-Mail-Ersatz.

Der größte Fokus liegt allerdings zunächst auf Textnachrichten, Dateitransfers und verschlüsselter Telefonie – etwas, das reine Textmessenger nicht können. In dieser Hinsicht ist Tox, wie auch Bittorrents Bleep, vor allem als eine Alternative für Skype interessant und ähnelt diesem auch in Aussehen und Bedienung.