Sie brummen und surren, sie drehen sich um die eigene Achse, und blinken vor sich hin. Ein Dutzend kleiner Roboter bevölkert den Tisch, darunter bizarre Kreationen, mal mit drei, vier oder sechs Beinen, hier mit Kulleraugen und dort mit Lautsprechern versehen. Schnell fügen ihre jugendlichen Schöpfer noch die letzten modischen Accessoires mit der Heißklebepistole hinzu und löten die letzten Bauteile fest, dann sind die Roboter fertig. So verschieden sie aussehen mögen, zwei Dinge haben alle gemeinsam: Sie bestehen aus alten Handys und simpler Elektrotechnik, und sie sind innerhalb von nur zwei Tagen entstanden.

Schrottküche heißt das Projekt, das am vergangenen Montag und Dienstag in Berlin-Kreuzberg stattfand. Die Idee, aus ausrangierten Handys kleine Roboter zu basteln, entstand im Wissenschaftsjahr 2012 zum Thema Nachhaltigkeit, und genau darum geht es den Veranstaltern: "Wir möchten auf die Thematik von Nachhaltigkeit und Elektroschrott hinweisen, aber eben auf eine spielerische Art und Weise", sagt die Workshop-Leiterin Miriam Lahusen vom Berliner Design Research Lab, "es geht darum, die Berührungsängste hinsichtlich Technik, Computern und Programmieren zu überwinden."

Die zwölf jugendlichen Teilnehmer zeigen am zweiten Tag der Schrottküche jedenfalls wenig Berührungsängste mit der Elektronik. Sie löten ausgeschlachtete Handys neu zusammen, lassen mit Batterien farbige LED zum Leuchten bringen und lernen nebenbei die Funktionsweise einfacher elektrischer Schaltungen. Sie lernen auch, dass Roboterbasteln Geduld erfordert, etwa wenn das Vibrationsmodul vor einer Minute noch funktioniert hat und plötzlich einfach nicht mehr brummen möchte. Da hilft nur, alles noch einmal genauestens zu kontrollieren, kräftig schütteln oder die anderen Teilnehmer um Hilfe zu bitten.

Deutsche Jugendliche und Flüchtlinge basteln gemeinsam

Die Schrottküche fand in den vergangenen beiden Jahren bereits in mehreren Schulen und Jugendclubs statt. Dass es für die Veranstalter diesmal dennoch ein besonderes Erlebnis ist, liegt an den Teilnehmern. Die gehören nämlich zur Extra3-Bildungs-Manufaktur, einem zehnmonatigen beruflichen Orientierungskurs des Berliner Jugend- und Kulturhauses Schlesische 27. Neben den deutschen Schulabsolventen besteht knapp die Hälfte der aktuellen Gruppe aus Flüchtlingen.

"Das Tempo des Workshops ist deshalb etwas langsamer als sonst. Wir kommunizieren zum Teil auf Deutsch, auf Englisch und ein bisschen auf Französisch. Aber die Stimmung ist entspannt und die Jugendlichen helfen sich prima untereinander", sagt Lahusen. Die Schrottküche beginnt mit einer Einführung in die Elektrotechnik und Nachhaltigkeit. In einem Quiz müssen die Teilnehmer beispielsweise schätzen, wie viel Gold sich in einem einzelnen Smartphone befindet oder wie Elektroschrott die Umwelt belastet. Anschließend beginnt der praktische Teil. 

Für die Teilnehmer der Bildungsmanufaktur ist der spielerische Umgang mit der Technik eine willkommene Abwechslung. "Man merkt erst einmal, wie viel Zeug in so einem winzigen Handy eigentlich drin ist", sagt die 18-jährige Rebekka, "und es ist doch ziemlich abgefahren, dass man mit den Teilen überhaupt noch etwas bauen kann. Das sollte man eigentlich in der Schule zeigen." Mit Technik hat sie ansonsten wenig zu tun, sie möchte später Kunst studieren. Dennoch findet sie das Projekt gelungen, und dass sie hier Kontakt mit Flüchtlingen hat, für deren Rechte sie schon auf den Straßen Kreuzbergs mitdemonstriert hat, sei sowieso ziemlich cool.

"All cool", findet auch Moctar. "Ich mag es, Dinge auseinanderzubauen. Ich lerne auch etwas über Handys. Vielleicht kann ich sie eines Tages mal reparieren", sagt der  junge Mann aus Niger, der seit einem Jahr in Deutschland lebt. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein altes Nokia-Handy, an dessen Ober- und Rückseite einige Flügel angebracht sind. "Airplane", sagt Moctar und lacht.