Das neue soziale Netzwerk Ello ist werbefrei und will es bleiben, auch um sich auf den ersten Blick von Facebook zu unterscheiden. Deshalb hat es sich jetzt zur public-benefit corporation (PBC) erklärt. Das ist eine spezielle Rechtsform für ein US-Unternehmen, die es in einigen, aber nicht allen Bundesstaaten gibt. Benefit Coporations müssen einen Mehrwert für die Allgemeinheit schaffen und unterliegen zudem verschärften Rechenschafts- und Transparenzpflichten.

Ello verspricht in seiner Erklärung, niemals nutzerspezifische Daten an Dritte zu verkaufen und niemals bezahlte Werbebanner zuzulassen. Sollte Ello mal verkauft werden, soll der Käufer verpflichtet werden, diese Prinzipien zu übernehmen. 

Der Schritt soll sicherstellen, dass Ello der optische Gegenentwurf zu Facebook bleibt: schlicht, übersichtlich, mit viel Weißraum auf den Profilseiten. Um den Betrieb sicherzustellen, muss Ello aber Einnahmen erzielen. Wie das aussehen könnte, hatte Paul Budnitz, einer der Gründer bereits vor einigen Wochen erklärt: "Ello kann man komplett kostenlos nutzen. Aber von Zeit zu Zeit werden wir spezielle Funktionen anbieten, für die einige unserer Nutzer bereit sein werden, etwas Geld zu bezahlen. Zum Beispiel könnten wir 99 Cent dafür verlangen, dass man mehrere Ello-Profile über einen einzigen Log-in verwalten kann."

Zunächst einmal hat sich Ello aber weitere 5,5 Millionen US-Dollar Risikokapital gesichert, nach 435.000 Dollar, die das kleine Unternehmen bereits im März bekam. Die Geldgeber werden irgendwann einen Gewinn einstreichen wollen, so viel ist klar. Ob die kostenpflichtigen Zusatzfunktionen dazu ausreichen, ist fraglich. Für Start-up-Unternehmen in den USA ist es allerdings völlig normal, nicht sofort ans Geldverdienen zu denken, sondern erst einmal wachsen zu wollen – das Geschäftsmodell kommt dann irgendwann später. Laut Wired hat Ello bereits eine Million Mitglieder und drei Millionen weitere "in der Warteschlange". 

PBC-Status kann wieder zurückgenommen werden

Wachsen muss aber auch die Liste der Funktionen. Ohne eine Smartphone-App oder eine Möglichkeit, Videos zu integrieren, haben die Nutzer wenige Gründe, das Netzwerk intensiv zu nutzen. Das aufgeräumte Design allein dürfte kaum ausreichen und ist ohnehin Geschmackssache. Nicht alle mögen die Oberfläche von Ello. Zumal die Abwesenheit von Anzeigen kein Alleinstellungsmerkmal ist. Auch Google+ ist bannerfrei.

Der Status als public-benefit corporation ist übrigens nicht unumstößlich. Ello hat sich für PBC-Version nach der Rechtslage im US-Bundesstaat Delaware entschieden, und die besagt: Eine Zweidrittelmehrheit der Anteilseigner kann den Status aufheben. Darauf weist Aral Balkan hin, der die Ello-Macher anfangs beraten, dann aber für die Annahme von Risikokapital scharf kritisiert hatte. Balkan arbeitet mittlerweile an einem dezentralen Netzwerk namens Indienet.