Carl Ludwig, 2. Teil – Carl Ludwigs heiße Träume ist ein deutscher Pornostreifen aus dem Jahr 1983 und extrem schwierig aufzutreiben. Er ist quasi die Blaue Mauritius unter den Pornos. Ein anonymer Kenner hat nun einen Weg gefunden, doch an die Kostbarkeit zu gelangen. Er wandte sich an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (Bundesprüfstelle) und bat um eine Kopie.

Klingt komisch, schließlich ist die Bundesprüfstelle doch dafür verantwortlich, Pornofilme bestmöglich vor allzu öffentlichem Zugang zu verbergen. Aber gerade weil sie alle in Deutschland erscheinenden Filme bewertet und indiziert, war sie der richtige Ansprechpartner. Die Bundesprüfstelle verfügt qua Amtsauftrag über eines der bestsortierten Pornoarchive weltweit. Für mindestens 25 Jahre kommen indizierte Filme in das Archiv. Danach werden sie neu bewertet. Auch Carl Ludwig ist noch immer darunter. Das ließ zumindest eine nicht offiziell genehmigte Liste vermuten.

Trotzdem versagt die Bundesprüfstelle dem Unbekannten die Kopie des Films. Der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Jugend gebiete, dass der Film unter Verschluss bleibe. Der Unbekannte ließ das nicht gelten und verklagte die Behörde auf eine Kopie des Streifens vor dem Verwaltungsgericht Köln. Und er bekam Recht. Das berichtet der Medienanwalt Markus Kompa.

Pornofilme sind auch nur amtliche Informationen

Grundlage des Urteils der Kölner Richter ist der Anspruch auf Zugang zu Informationen nach § 1 des Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Nach diesem Gesetz kann jeder die Herausgabe von Informationen durch Behörden verlangen. Auf der Seite fragdenstaat.de gibt es dafür vorgefertige Formulare. Der Anspruch sieht jedoch einige erhebliche Ausnahmen vor. So ist es beispielsweise nicht möglich Gerichtsakten, Geheimdienstinformationen sowie Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse herauszuverlangen. Außerdem müssen Antragsteller oftmals für die Bereitstellung zahlen.

Im Fall von Carl Ludwig griffen die Ausnahmen nicht. Die Richter sahen den Pornofilm als eine amtliche Information nach § 2 IFG an. Sie diene dazu, die Aufgaben der Behörde zu erfüllen, schreiben die Richter in ihrem Urteil. Unerheblich sei, ob die amtlichen Informationen von Dritten stammten. Auch sei das Urheberrecht gerade nicht verletzt, da der Kläger den Film lediglich für den privaten Gebrauch nutzen wolle.

Carl Ludwig bleibt vorerst unter Verschluss

Die Bundesprüfstelle trägt nach diesem Urteil wohl ungewollt dazu bei, dass die historische Vielfalt der Pornos erhalten bleibt. Offen steht das Archiv der Bundesprüfstelle deshalb aber noch lange nicht. Der begehrte Film – also die begehrte Information – muss seit mindestens zwei Jahren vergriffen sein. Da Carl Ludwig eine echte Porno-Rarität zu sein scheint, ging der Anspruch durch. Anders wird das bei "Blockbustern" des Genres, gebraucht erhältlichen und digitalen Filmen sein.

Auch die Titelliste des Archivs bleibt offiziell weiter unter Verschluss. Erst kürzlich hatte das Verwaltungsgericht Köln der Veröffentlichung eine Absage erteilt.

Neben der Bundesprüfstelle stehen auch viele andere Behörden den Ansprüchen aus dem IFG kritisch gegenüber. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen von Kompa. "Die Behörden mauern bei Ansprüchen aus dem IFG in der Regel, wo sie können", sagt Kompa im Gespräch mit ZEIT ONLINE

Grund ist unter anderem der Aufwand, den die Anfragen verursachen. Im Jahr 2013 stellten Bürger allein an die Bundesbehörden 4.736 solcher Anträge. Hinzu kommen die Anträge an die Landesbehörden. Mitarbeiter aus den Berliner Kommunal- und Landesverwaltungen klagen seit Längerem über die zusätzliche Arbeitsbelastung. In den Abteilungen gibt es meist keine Beamten, die sich allein um die Anfragen kümmern.

Die Bundesprüfstelle wollte sich auf Anfrage von ZEIT ONLINE nicht weiter zu dem Fall äußern. Man werde Berufung einlegen. Der Kläger muss also noch das Berufungsurteil abwarten, bis er Carl Ludwig endlich in den Händen hält.