Als die Fotoplattform Flickr vor einem Monat einen neuen Service vorstellte, hielten sich die Reaktionen in Grenzen. Mit Wall Art können Nutzer ihre Bilder aus ihrem Flickr-Konto auf Leinwand drucken und sich zuschicken lassen – etwas, das unzählige Dienstleister anbieten. Jetzt aber wurde der Service ausgebaut: Jeder kann ab sofort auf eine Sammlung von rund 50 Millionen Fotos zugreifen und diese auf Wunsch drucken lassen.

Darin enthalten sind vor allem Bilder von Fotografen, die ihre Werke unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC) eingestellt haben. Viele Fotografen versehen ihre Werke mit einer CC-Lizenz, damit Privatpersonen, Blogger, Wissenschaftler oder Schüler sie kostenfrei nutzen können. Wer solche Bilder verbreitet, muss in den meisten Fällen lediglich den Urheber nennen und auf die entsprechende Lizenz hinweisen. Wollen die Fotografen nicht, dass Dritte mit ihren Bildern Geld verdienen, müssen sie allerdings gezielt eine Lizenz wählen, die keine kommerzielle Nutzung zulässt.

Einige Fotografen, die das nicht gemacht hatten, stören sich nun am Verkauf ihrer Bilder, schreibt das Wall Street Journal. Denn die Urheber werden von Flickr nicht gefragt, ob ihre Bilder gedruckt und für umgerechnet 40 Euro verkauft werden dürfen. Der Gewinn landet komplett beim Konzern Yahoo, zu dem Flickr zählt, und den Dienstleistern für den Service. 

Das gilt aber nicht für alle Bilder. Denn das Fotoportal bietet auch Bilder von Urhebern zum Druck an, die ihre Arbeiten als urheberrechtlich geschützt eingestellt haben. Diese werden von Flickr allerdings gefragt und im Fall einer Verwendung erhalten sie 51 Prozent des Erlöses. Sie profitieren also, während die CC-Fotografen leer ausgehen.

Nicht nett, aber legitim

Einige von ihnen fühlen sich deshalb hintergangen und ausgenutzt. Schließlich war es nicht ihre Absicht, dass Flickr selbst Geld mit ihren Arbeiten verdient. Für viele CC-Nutzer geht es vor allem um den Community-Gedanken, unter dem Inhalte frei geteilt werden. Das jemand die Bilder direkt verkaufen könnte, damit rechnen viele Nutzer nicht. Nun nachträglich die kommerzielle Verwendung zu untersagen, ist keine Lösung: Creative-Commons-Lizenzen sind unwiderruflich und jeder, der eine Kopie besitzt, darf sie zu den ursprünglichen Konditionen verwenden.

Rechtlich gesehen kann man Flickr nichts vorwerfen, schreibt der CC-Experte Leonard Dobusch auf netzpolitik.org: Tatsächlich würden bestimmte Creative-Commons-Lizenzen eine kommerzielle Nutzung von Werken durch Dritte explizit erlauben. "In so einem Fall besteht auch kein Rechtsanspruch auf Vergütung."

Anders gesagt: Wer eine kommerzielle Nutzung einmal erlaubt hat, muss damit leben, wenn andere damit Geld verdienen. Flickrs Entscheidung ist also nicht nett, aber legitim.

Gleichzeitig fragt Dobusch, ob Flickr die CC-Fotografen nicht einfach trotzdem an den Erlösen beteiligen könnte. Schließlich zeige die Aktion, dass man mit CC-Inhalten durchaus Geld verdienen könne. Ein paar Prozent für die Fotografen würden vermutlich beide Seiten zufriedenstellen – und Flickr könnte auf die Wertschätzung in seiner Community bauen. Von einem Konzern wie Yahoo, noch dazu finanziell angeschlagen, ist eine solche Entscheidung jedoch kaum zu erwarten.

Negativbeispiel für CC-Fotografen

Nicht alle CC-Fotografen haben ein Problem mit dem Verkauf ihrer Bilder. Wie das Wall Street Journal schreibt, sind einige sogar froh darüber, wenn ihre Arbeiten den Weg in die Wohnzimmer der Menschen schaffen. In den Kommentaren im Fotografieblog PetaPixel gehen die Meinungen auseinander: Einige akzeptieren die Entscheidung, andere sind sauer. "Ich habe kein Problem damit, wenn Nutzer sich meine Fotos ausdrucken. Ich möchte aber nicht, dass Flickr damit Geld verdient", schreibt ein Kommentator.

Die Praxis von Flickr könnte Fotografen künftig generell davon abhalten, ihre Arbeiten zur kommerziellen Verwendung anzubieten und stattdessen eine strengere Lizenz zu wählen. Das ist zwar einfach, aber um die nichtkommerzielle Lizenz (NC) gibt es immer wieder Unklarheiten. Darf die Bilder etwa ein Blogger, der Werbebanner einbindet, benutzen? Darf man CC-Musik in ein YouTube-Video einbauen, das an der Vermarktung teilnimmt?

Selbst die Gerichte sind sich diesbezüglich nicht einig. So hatte das Landgericht Köln im Frühjahr entschieden, dass der Deutschlandfunk ein kommerzielles Angebot sei und deshalb keine NC-Bilder auf seiner Website nutzen darf. Diese dürften, so die Richter, nur von rein privaten Angeboten genutzt werden – eine sehr restriktive Auslegung. Am heutigen Dienstag wurde das Urteil in der Berufung allerdings teilweise abgeändert.

Vor allem macht der Fall deutlich, wie sich Konzerne Inhalte von Nutzern zu eigen machen können, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Flickr und Yahoo geht es derzeit darum, mit aufstrebenden Fotoplattformen wie 500px und deviantART mitzuhalten. Die bieten schon länger Drucke der Werke an. Allerdings mit einem Unterschied: Sie fragen die Fotografen und beteiligen sie an der Vergütung.