Screenshot der von den Behörden geschlossenen Schwarzmarktseite "Cannabis Road" © Screenshot ZEIT ONLINE

Europol und US-Behörden haben in der "Operation Onymous" mehrere Drogenmärkte im Tor-Netzwerk geschlossen und 17 mutmaßliche Betreiber in aller Welt festgenommen. Insgesamt wurden mehr als 400 .onion-Seiten beschlagnahmt und zum Teil vom Netz genommen. Zu den stillgelegten Seiten gehören die mehr oder weniger bekannten Seiten Pandora, Cloud 9, Hydra, Blue Sky, Topix, Flugsvamp, Cannabis Road und Black Market. Die wohl populärste Seite war aber Silk Road 2.0. Sie war entstanden, kurz nachdem das FBI die erste Silk Road im Darkweb geschlossen und ihren Betreiber festgenommen hatte.

Wie die Behörden es geschafft haben, so viele der Server und ihrer Betreiber im Tor-Netzwerk ausfindig zu machen, ist unklar. Die besondere Architektur des Netzwerks macht es schwer, die Server zu lokalisieren. Nicht umsonst heißen Angebote im Tor-Netzwerk "Hidden Services". Troels Oerting vom European Cybercrime Center wollte im Gespräch mit Wired nicht verraten, wie die Operation Onymous ablief: "Das wollen wir für uns behalten, denn wir wollen es wieder und wieder tun."

Die meisten der betroffenen Plattformen sind mittlerweile nicht mehr erreichbar, auf anderen steht nur noch eine Mitteilung des FBI und anderer beteiligter Behörden. Die haben außerdem mehrere Geldwäsche-Seiten vom Netz genommen, Bitcoins im Wert von insgesamt rund einer Million US-Dollar, Bargeld in Höhe von 250.000 Dollar sowie Drogen, Waffen und Schmuck sichergestellt.

Andrew Lewman, der Direktor des Tor-Projekts, glaubt nicht an eine bisher unbekannte technische Schwachstelle im Tor-Netzwerk. "Klingt, als ob klassische Polizeiarbeit weiterhin effektiv ist", sagte er Wired.

Zumindest im Fall von Silk Road 2.0 scheint das zu stimmen. Nach Angaben des FBI gelang es einem Beamten, das Team von Administratoren zu infiltrieren, das sich um den Betrieb der Seite kümmerte. So bekam er Zugang zu ansonsten verschlossenen Bereichen der Plattform und deren mutmaßlichem Chef, dem 26-jährigen Blake Benthall. Der soll mehrfach unvorsichtig gewesen sein und leicht nachvollziehbare Spuren zu seiner Person im Internet hinterlassen haben. Unter anderen war der Silk-Road-Server auf eine Person mit der E-Mail-Adresse blake@benthall.net registriert, und dass benthall.net wirklich ihm gehörte, geht aus seinem Twitterprofil hervor.

Staatsanwalt warnt Nachahmer

Nun wird Benthall Verschwörung zum Drogenhandel, Hacking, Geldwäsche und Handel mit gefälschten Dokumenten vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Laut der New Yorker Staatsanwaltschaft waren auf der Silk Road 2.0 mehr als 150.000 Nutzer aktiv. Mit dem Handel von Drogen, gefälschten Ausweisen und anderen illegalen Gütern seien monatlich acht Millionen US-Dollar umgesetzt worden.

Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara warnte davor, weitere Versionen des illegalen Onlinehandelsplatzes aufzubauen. Die Silk Road führe in jedem Fall ins Gefängnis, sagte er. Mögliche Nachahmer müssten sich bewusst sein, dass die Staatsanwaltschaft immer wieder gegen "schädliche kriminelle Onlinebasare" vorgehen werde.