Der Axel-Springer-Verlag gibt den Kampf gegen Google fürs Erste verloren. Man werde dem US-Unternehmen ab sofort erlauben, Pressetexte von Springer-Medien kostenlos in der Google-Suche und bei Google News anzuzeigen, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. Zuletzt hatte Google die Darstellung der Inhalte von vier Springer-Titeln, darunter Welt.de, deutlich eingeschränkt. Statt wie früher Überschrift, Vorschaubild und Textausschnitt (Snippet) anzuzeigen, hatte Google nur noch Überschrift und den Link auf den jeweiligen Artikel verwendet. Damit wollte Google nach eigenen Angaben juristische Risiken minimieren, die mit der Einführung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage entstanden sind.

Laut dem Gesetz, das die damalige schwarz-gelbe Koalition 2013 erlassen hatte, muss ein Suchmaschinen-Anbieter die Presseverlage dafür bezahlen, wenn er mit Links und Snippets auf Inhalte der Verlage verweist. Nur "einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte" dürfen lizenzfrei genutzt werden. Eine eindeutige Definition von "kleinste Testausschnitte" gibt es bisher aber nicht. Um nicht zu Lizenzzahlungen verpflichtet werden zu können, verlangte Google eine Einverständniserklärung der Verlage, um Snippets und Vorschaubilder weiter anzeigen zu dürfen. Der Axel-Springer-Verlag hatte diese Einwilligung bisher nicht geben wollen.

In den vergangenen zwei Wochen seien durch die Maßnahme von Google deutlich weniger Internetnutzer auf die Internetseiten der betroffenen Springer-Medien weitergeleitet worden, sagte Döpfner: "Bei Google News ist der Traffic um rund 80 Prozent eingebrochen." Der finanzielle Schaden durch entgangene Vermarktungsumsätze hätte sich – bezogen auf das Gesamtjahr – im siebenstelligen Bereich pro Marke bewegt.

"Würden wir das fortsetzen, schießen wir uns aus dem Markt", sagte Döpfner. Er betonte, die Daten zeigten die Marktmacht von Google. Das Unternehmen hebele damit das Leistungsschutzrecht aus. Zuvor hatten mehrere Verlage und ihre Verwertungsgesellschaft VG Media die Forderung nach Geld aufgegeben, da sie Einbrüche bei Umsatz und im Ergebnis fürchteten.

Döpfner sagte, das Einknicken von Springer sollte nun Anlass geben für Politiker, Gerichte und Kartellexperten, die Angelegenheit unter die Lupe zu nehmen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte während einer Diskussionsrunde mit Google-Chef Eric Schmidt aufgefordert, die Verlage am Umsatz mit deren Texten zu beteiligen. Bereits im April hatte sich Springer-Chef Döpfner mit einem offenen Brief an Eric Schmidt gewandt und darin die Marktmacht des US-Konzerns kritisiert.