Für die Entwickler von Threema war 2014 ein gutes Jahr. Die Messenger-App mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat die Anzahl ihrer Nutzer auf mittlerweile 3,2 Millionen gesteigert und war nicht nur die meistverkaufte in Apples deutschem iTunes-Store. Threema ist in Deutschland nach dem iPhone 6 auch der technische Suchbegriff, der bei Google den größten Zuwachs erfahren hat.

Trending terms nennt Google das Phänomen. Das Unternehmen hat heute die Ranglisten des year in search veröffentlicht, und in der Liste der trending terms im Bereich Technik hat Threema immerhin Netflix und iOS 8 hinter sich gelassen.

Dabei ist die Schweizer App mit dem seltsamen Namen nur einer von vielen Crypto-Messengern und längst nicht der beliebteste. Telegram, surespot, myEnigma, ChatSecure, Hoccer XO versprechen ebenfalls verschlüsseltes Chatten, und selbst WhatsApp bietet jetzt dank der Unterstützung von TextSecure eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die es niemandem außer Sender und Empfänger ermöglicht, eine Nachricht zu lesen. Sie wird jetzt ein Standardfeature in Messenger-Apps, glaubt Manuel Kasper, der Chef der Threema GmbH, die mittlerweile elf Mitarbeiter hat. Das zeigte zuletzt auch die Ankündigungen der Entwickler von Kakao Talk, einer in Korea sehr beliebten App mit 150 Millionen Nutzern, die nun ebenfalls eine Verschlüsselungsoption bekommt. Im deutschsprachigen Raum aber scheint Threema stellvertretend für alle Crypto-Apps zu stehen.

Threema profitiert wohl einfach davon, dass es früher als die meisten anderen eine attraktive Benutzeroberfläche mit einer anerkannten Kryptographie-Lösung und einer einfachen Schlüsselverifizierung kombinierte. Dass der Quellcode bis heute nicht öffentlich oder wenigstens von unabhängiger Seite überprüft worden ist, hat Threema nicht geschadet – so etwas ist anscheinend doch nur einer kleinen Zielgruppe wichtig. Kasper verspricht aber, die App weiterzuentwickeln. "Der Fokus verschiebt sich auf die Metadaten", schreibt er in einer E-Mail an ZEIT ONLINE. "Denn nur schon zu wissen, wer mit wem kommuniziert, wer zu welchem Beziehungsnetz gehört und die Aggregierung solcher Daten über Adressierungselemente wie Telefonnummern kann für gewisse Kreise sehr wertvoll sein – selbst wenn man den Inhalt nicht kennt." Dieses Problem wolle er angehen.

Die Popularität des Suchbegriffs Threema ist das einzige Indiz für einen Snowden-Effekt in Googles Jahresranglisten, zumindest für Deutschland. Ansatzweise Vergleichbares taucht nur an einer weiteren Stelle auf: In den allgemeinen trending terms von 2014 steht an fünfter Stelle der BSI Sicherheitstest. Mit dem konnte man im Frühjahr testen, ob die Zugangsdaten zum eigenen E-Mail-Konto unter jenen 18 Millionen waren, die Kriminelle abgefangen hatten. Dabei zeigen Umfragen wie zuletzt diese, dass es den Snowden-Effekt durchaus gibt, dass mehr und mehr Menschen irgendwelche Maßnahmen treffen, um der Massenüberwachung durch Geheimdienste etwas entgegenzusetzen (auch wenn viele dieser Maßnahmen nutzlos sein dürften).

Ansonsten enthalten die Google-Listen wenig Überraschungen. Die meistgesuchten Personen in Deutschland etwa waren Michael Schumacher und Helene Fischer, unter den ersten zehn befinden sich ausschließlich Popstars, Schauspieler und Sportler. Die trending terms der Schlagzeilen werden angeführt von der WM 2014, an vierter Stelle steht Ebola, vor Uli Hoeneß und der Krim. Auf Platz zehn, und das ist angesichts der Wahlbeteiligung von 47,9 Prozent in Deutschland dann vielleicht doch ein wenig erstaunlich, hat es die Europawahl 2014 geschafft.