Es gibt nicht viele Menschen, die von sich behaupten können, mit einem Roboter über Glauben und Religion diskutiert zu haben. Jean-Pierre Brien aus Halifax, Kanada, ist einer von ihnen. Brien war einer der ersten, die einen trampenden Roboter im Auto mitgenommen haben, den hitchBOT. Und der wollte über Gott reden.

Der hitchBOT fuhr zwischen Ende Juli und Mitte August per Anhalter von Halifax im Osten von Kanada nach Victoria auf Vancouver Island, rund 6.000 Kilometer weit. Der kleine Roboter, der aussieht wie eine Mischung aus R2D2 und Ikea-Mülleimer, war ein technisches wie sozialwissenschaftliches Experiment – und ein Kunstprojekt. Erschaffen haben ihn Wissenschaftler der McMaster University in Hamilton und der Ryerson University in Toronto, darunter die deutsche Professorin Frauke Zeller.

Jean-Pierre Brien und zwei seiner Freunde waren Teil des Experiments, das schon Wochen vor seinem Start ein Medienereignis war. Sie waren gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit, sagt Brien, als sie beschlossen, einen Umweg zu machen, um den hitchBOT auf einem Campingplatz in New Brunswick einzusammeln. Dort wartete er gerade auf die nächste Mitfahrgelegenheit, wie er über Twitter bekannt gab. Das war am 28. Juli, dem zweiten Reisetag des Roboters.

"Wir hatten Videos von hitchBOT im Fernsehen gesehen und wussten deshalb, was er kann und was nicht", berichtet Brien, der sonst als Ingenieur für eine Seetang-Firma arbeitet und seine Freizeit mit Feldhockey verbringt. "Wirklich überrascht hat uns, wie physisch limitiert der hitchBOT war. Das einzige mechanisch bewegliche Teil war sein Arm, den er heben konnte, um den Tramper-Daumen zu zeigen. Sein Gesicht war ein Display, das fast immer lächelte, an den Seiten zeigte es wechselweise Ohren und das "Daumen-hoch"-Zeichen. Aufgeladen wurde er per Solarmodul oder über den Zigarettenanzünder im Auto."

Gewöhnungsbedürftig sei die Eigenheit von hitchBOT gewesen, im Auto regelmäßig jede menschliche Unterhaltung mit thematisch völlig unpassenden Bemerkungen oder Fragen zu unterbrechen. Er gab den Wetterbericht von sich, stellte den Insassen die Gretchenfrage und erzählte, dass er gerne einen kleinen Hund hätte, sich aber nicht sicher sei, ob seine Erschaffer ihm das erlauben würden. Brien und seine Freunde entschieden, ihm einen Stoffhund bei WalMart zu kaufen, den sie nach einer Twitter-Umfrage auf den Namen Hiker tauften. Den Roboter aktiv in ein Gespräch zu verwickeln, wollte jedoch nicht recht klappen – hitchBOT sprach entweder von selbst zu allen unpassenden Gelegenheiten, oder gar nicht.

So nervig hitchBOT manchmal war, sagt Brien, so hilfreich sei es, einen Roboter dabei zu haben, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Immer wieder mussten sie bei Zwischenstopps irgendwem erklären, was die Mission des hitchBOTs war: "Wir wurden praktisch zu seinen Pressesprechern." Das hatte auch Folgen für die drei Freunde: Es sei ein "Abenteuer fürs Leben" gewesen, sagt Brien. Der Roboter "hat uns enger zusammengeschweißt".

Zum Essen gab es Schrauben mit Motoröl

Eine weitere Erkenntnis aus dem Experiment: Menschen tendieren dazu, auch sprechende Mülleimer zu vermenschlichen. "Wir hätten es unfair gefunden, in hitchBOTs Anwesenheit zu essen, ohne dass er auch etwas bekommt", sagt Brien. "Also haben wir ihm zum Abendessen einen Teller mit Schrauben und Gewinden sowie eine Flasche Motoröl hingestellt. Außerdem haben wir ihm ein Trikot der Edmonton Oilers angezogen, denn wir dachten, wenn der Roboter überhaupt ein Eishockey-Team unterstützt, dann wohl eines, das Öl im Namen hat."

Eines der Hauptziele des Experiments, hatte die hitchBOT-Erfinderin Frauke Zeller immer wieder gesagt, war herauszufinden, ob Menschen den Maschinen vertrauen können. Die Antwort lautet: Ja, zumindest in Kanada glauben die Menschen an das Gute im Roboter und behandeln ihn entsprechend zuvorkommend.