Der Hackerangriff auf Sony Pictures Entertainment (SPE) ist wohl die bislang größte derartige Attacke auf ein Unternehmen. Er könnte den Filmkonzern in eine Existenzkrise stürzen. Seit der Angriff bekannt geworden ist, wird darüber spekuliert, wer die Täter sind und welche Motive sie antreiben. Ideen gibt es viele, Indizien nur wenige, Beweise keine. Sechs Thesen, die gerade diskutiert werden:

1. Nordkorea steckt hinter dem Hacker-Angriff

Mehrere amerikanische Medien berichten, staatliche Ermittler hätten Indizien gefunden, die darauf hindeuten, dass der Hackerangriff auf SPE von Nordkorea ausgegangen sein könnte. Die New York Times beruft sich auf einen ungenannt bleibenden Offiziellen einer nicht genannten Behörde. Die Nachrichtenagentur AP zitiert einen ebenfalls ungenannten Sicherheitsexperten. Sicher ist, dass Nordkorea im Prinzip die Mittel und Fähigkeiten hätte, einen solchen Angriff zu führen.

Die beschriebene Indizienkette ist allerdings dünn. Vier Ordner, die in den gehackten Daten gefunden wurden, sollen auf einem Rechner erstellt worden sein, der als Spracheinstellung Koreanisch nutzte. Das ist jedoch weder ein Beleg dafür, wo der Rechner gestanden haben mag, noch dafür, wer ihn benutzt hat. Zudem kann die Einstellung leicht manipuliert werden. Weiter sollen die Angreifer Schadsoftware benutzt haben, die in vorangegangenen Attacken nordkoreanischen Hackern zugeordnet wurde. Doch auch für diese Zuordnung fehlen stichhaltige Belege.

2. Nordkorea wollte SPE erpressen

Denkbar wäre das durchaus. Das Regime in Pjöngjang gilt als höchst korrupt und agiert mit kriminellen Methoden. Bekannt ist beispielsweise, dass Nordkorea tief ins illegale Waffengeschäft verstrickt ist.

3. Nordkorea will Rache nehmen für den Film The Interview und dessen Veröffentlichung verhindern

Im Satirefilm The Interview wollen zwei Fernsehmoderatoren, gespielt von den Komikern James Franco und Seth Rogen, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un interviewen. Von der CIA bekommen sie den Auftrag, den Diktator bei dieser Gelegenheit umzubringen, was ihnen auch gelingt. Der Diktator ist in dem Film eindeutig zu erkennen.

Der UN-Botschafter Nordkoreas protestierte schon im Juli gegen die Produktion, lange vor dem Hack. Er nannte den Film einen kriegerischen Akt, der Terrorismus gegen Nordkorea propagiere. Das ist ein starkes Motiv.

Allerdings wurden die nordkoreanischen Führer in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Ziel von Satiren. Zudem entspricht die Reaktion des Botschafters der Rhetorik, mit der Nordkorea stets auf Kritik reagiert. In einem Statement der mutmaßlichen Hacker, dass CSO online veröffentlichte, heißt es zudem, der Film sei nicht das Motiv für den Hack gewesen.

4. Nordkorea hat mit Anschlägen gedroht, sollte der Film gezeigt werden

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. In der ersten E-Mail der mutmaßlichen Hacker an Sony, in der sie Geld fordern, wird der Film gar nicht erwähnt. Kim Zeller kommt in einer detaillierten Analyse auf Wired zu dem Schluss, es sei ebenso denkbar, dass die Hacker erst durch die umfangreiche Berichterstattung auf die Idee gekommen sein könnten, den Film mit ihren Motiven zu verknüpfen. Oder dass Trittbrettfahrer angelockt wurden, die diesen Zusammenhang hergestellt haben könnten.