Den Rechteinhabern mangelt es nicht an Kreativität, wenn es darum geht, das illegale Filesharing von Musik, Filmen oder Büchern einzudämmen. Immer mehr Unternehmen lassen die Links zu illegalen Angeboten aus den Suchmaschinen löschen. Andere überwachen den Datenverkehr in Filesharing-Diensten und verschicken direkt Abmahnungen. Und einige Länder versuchen, die Internetnutzer zunächst bei Urheberrechtsverstößen zu verwarnen und bei anhaltenden Verstößen zu bestrafen.

In den USA scheint dieses Verfahren jedoch nicht den gewünschten Erfolg zu bringen. Jedenfalls noch nicht. Das geht aus Dokumenten des amerikanischen Filmverbandes MPAA hervor, die dem Branchenblog Torrentfreak vorliegen.

Konkret geht es dabei um das Copyright Alert System (CAS), auch Six-Strikes-Verfahren genannt, das vor zwei Jahren eingeführt wurde. Die fünf größten Internetprovider des Landes haben gemeinsam mit Vertretern der Unterhaltungsindustrie ein System errichtet, das die Nutzer bei mutmaßlichen Verstößen informiert. Dazu überwachen die Provider oder von ihnen beauftragte Unternehmen den Verkehr in Peer-to-Peer-Netzwerken wie BitTorrent und identifizieren die Anschlussinhaber auf Basis ihrer IP-Adresse.

Bei den ersten beiden Verstößen weisen die Provider die Nutzer lediglich darauf hin. Bei den folgenden beiden müssen die Nutzer den Verstoß per Klick auf einen Hinweis bestätigen. Gleichzeitig wird auf legale Angebote verwiesen. Bei den Verstößen fünf und sechs setzen die Provider Maßnahmen durch, sie drosseln etwa die Geschwindigkeit des Anschlusses bis auf Modemgeschwindigkeit.

Wenig Einfluss auf illegales Filesharing

Obwohl sich im vergangenen Jahr die Zahl der versendeten Warnungen vonseiten der Provider verdoppelt hat, habe das Programm "noch nicht die nötige Größe erreicht", heißt es in einem internen Schreiben der MPAA. Das CAS habe deshalb noch "keinen Einfluss auf die Piraterie" hinterlassen. In den ersten zehn Monaten wurden 1,3 Millionen Warnungen von allen fünf Providern verschickt. Je konsequenter Warnungen verschickt würden, desto effektiver sei das System, um Urheberrechtsverletzungen einzudämmen, glaubt die MPAA. Gleichzeitig müssten die Strafen vonseiten der Provider angepasst werden.

Auch wenn das System noch keine großen Veränderungen hervorgerufen habe, sei es "halbwegs effektiv" bei jenen Nutzern, die Warnungen erhalten, zitiert TorrentFreak die MPAA. Allerdings steht an anderer Stelle, dass man nicht wisse, "ob die Nutzer aufgehört haben, zu legalen Angeboten gewechselt sind oder einfach neue Wege gefunden haben". Da das CAS lediglich Peer-to-Peer-Dienste überwacht, könnten betroffene Nutzer VPN-Dienste nutzen, um ihre Identität zu verschleiern. Oder einfach zu Streaming- und Filehosting-Angeboten wechseln, die BitTorrent zunehmend ablösen.

Tatsächlich gibt es viele offene Fragen wenn es um die Effektivität des Verfahrens geht. Ein offizieller Bericht aus dem vergangenen Jahr besagt, dass immerhin 30 Prozent aller Nutzer, die eine Warnung erhalten, auch eine zweite erhalten. Ob sie die automatisch verschickten E-Mails nicht lesen oder sie bewusst ignorieren, ist unklar. In den ersten sechs Monaten nach der Einführung stieg zudem der US-Traffic des Torrent-Trackers Pirate Bay weiter an