Der dritte Grund für den Anstieg der takedown requests liegt bei Google selbst: Anfangs konnten sich die Rechteinhaber nur per Brief, Fax oder E-Mail an Google wenden, wenn sie Links aus dem Suchindex löschen lassen wollten. Mit der Einführung eines Webformulars, das heute so aussieht, wurde das Verfahren wesentlich einfacher. In dem Formular können Rechteinhaber bis zu zehn Werke und jeweils bis zu 1.000 Links zu diesem Werk auflisten. Im für sie besten Fall entfernt Google aufgrund eines einzigen Antrags 10.000 URLs aus seinem Index.

Rechteinhaber, die besonders viele Verstöße melden, können zudem noch ein anderes Formular verwenden, das den Meldeprozess weiter vereinfacht. Trusted Copyright Removal Program (TCRP) heißt das öffentlich wenig bekannte Angebot. Anfragen, die über diesen speziellen Weg eingehen, sind aber in den Zahlen von Googles Transparenzberichten enthalten, wie ein Sprecher bestätigt.

Kuriose Kollateralschäden

Das Unternehmen verarbeitet jede Anfrage nach eigenen Angaben in durchschnittlich weniger als sechs Stunden. Weil Google aber mittlerweile fast eine Million Links pro Tag überprüfen muss, passieren auch Fehler. Zuletzt hat es zahlreiche Entwickler und Programmierer erwischt, die ihre Projekte auf Github veröffentlicht haben. Vertreter der Pornoindustrie hatten von Google die Löschung diverser Links aus dem Suchindex verlangt, weil die Projektnamen in den URLs eine mitunter weit hergeholte Ähnlichkeit zu Titeln von Sexfilmen hatten. 

Google prüfte die Beschwerden offenbar nicht oder nicht genau genug und entfernte die Links zu den Projekten, obwohl sie vollkommen legal sind und zum Teil von Unternehmen wie Netflix und Yahoo kommen. Ein weiterer Nebeneffekt: Je häufiger eine Website von takedowns betroffen ist, desto niedriger wird sie von Google in seinem Index bewertet. Unberechtigte takedowns könnten somit legalen Angeboten wie Github schaden.   

Zwar dürften die meisten Anträge von Rechteinhabern legitim sein. Und Google kann man auch nicht ernsthaft den Hang zur Zensur vorwerfen – kein Suchmaschinenbetreiber verkleinert freiwillig seinen Index. Aber Kollateralschäden wie die Github-Projekte werfen hin und wieder ein Schlaglicht auf die Prozesse, die sich hinter Zahlen wie 345.169.134 verbergen.